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aus dem Eventrecht

Darsteller erhängt sich selbst

Von Thomas Waetke 9. April 2012

Bei Passionsspielen in Itarare (Brasilien) hat sich der Darsteller einer Bibelszene schwer verletzt, als er sich planmäßig selbst erhängen sollte. Offenbar griff er aber zum falschen, nicht manipulierten Seil. Bevor die Darstellerkollegen merkten, dass etwas falsch lief, war der Darsteller bereits mehrere Minuten bewusstlos.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Unfälle werden oft nicht als Unfall erkannt. Explosionen werden von Zuschauern als Teil der Show missgedeutet, stürzende Darsteller verhalten sich in den Augen der Zuschauer eher Oscar-verdächtig realistisch, bevor man feststellt, dass der Absturz gar nicht geplant war.

Auch Verantwortliche zögern im Angesichts eines Notfalls oft, Alarm zu schlagen, sei es aus Unsicherheit oder aus der Sorge heraus, der Alarm könnte sich im Nachhinein als übertrieben oder gar lächerlich herausstellen.

Das bedeutet:

1.) Kenntnis von den Abläufen erforderlich

Alle Mitwirkenden, aber auch der Ordnungsdienst, Veranstaltungsleiter, usw. sollten den Programmablauf kennen.

Je gefährlicher eine Situation ist bzw. werden kann, desto klarer sollten die Abläufe bekannt sein, damit andere möglichst sofort erkennen, wenn die Geschehnisse vom Plan abweichen und eingreifen können.

Beispiel Pyrotechnik: Wenn auf der Bühne ein Feuerwerk gezündet werden soll, sollten die Beteiligten wissen, was der Pyrotechniker geplant hat: Wann genau, in welcher Ecke, wie lange, was soll alles brennen usw.

2.) Entscheidungskompetenz erforderlich

Entscheider, die über das Auslösen eines Alarms zu entscheiden haben, brauchen das erforderliche Wissen und die Kompetenz, Entscheidungen treffen zu dürfen.

Es muss, ggf. auch dem Arbeitgeber, klar sein, dass Entscheidungen auch falsch getroffen werden können; der Entscheider muss daher wissen, dass der Arbeitgeber ihn dann nicht fallen lässt: Fatal wäre eine Angst vor der Entscheidung.