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Darf ein Verein die Teilnahme von Frauen bei einem traditionellen Volksfest verhindern?

Darf ein Verein die Teilnahme von Frauen bei einem traditionellen Volksfest verhindern?

Von Thomas Waetke 14. September 2020

Traditionen in Vereinen rechtfertigen grundsätzlich keine Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen. Das hat das Amtsgericht Memmingen festgestellt, als es einer Klage eines weiblichen Vereinsmitglieds gegen ihren Verein stattgegeben hatte.

Bei dem Verein handelt es sich um einen örtlichen Kulturverein mit langer Tradition. Mitglied können Männer und Frauen werden – aber bei einer zentralen Veranstaltung des Vereins dürfen nur Männer teilnehmen. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Fest mit 20.000 bis 30.000 Teilnehmern und Besuchern.

Das Amtsgericht entschied, dass Traditionsvereine für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eine wichtige Rolle spielen und Frauen nicht ohne sachlichen Grund diskriminieren dürfen. Eine bisher rein männliche Tradition rechtfertige keine Ungleichbehandlung; der Verein begründete den Ausschluss von Frauen mit der Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums.

Der in diesem Fall übrigens auch gemeinnützige Verein mit rund 4.500 Mitgliedern habe in der Stadt eine besondere soziale Machtstellung inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden, so das Gericht.

In der bayerischen Stadt hat es nach Angaben des Oberbürgermeisters zuvor jahrelange Diskussionen und Streit gegeben. Während die einen mit dem Urteil zufrieden sind und den Verein im 21. Jahrhundert angekommen sehen, wird der Verein wohl gegen das Urteil in die Berufung gehen: Man sehe die Autonomie von Vereinen eingeschränkt.

Tatsächlich ist diese Diskussion nicht neu. Es gibt viele Vereine, die auch nur Männern oder nur Frauen als Mitglied offen steht. Hier ging es aber um die Teilnahme an einer bedeutsamen Veranstaltung.

Zu beachten ist bei gemeinnützigen Vereinen, dass die finanzgerichtliche Rechtsprechung durchaus ein Fragezeichen gesetzt hat, wenn ein Verein einerseits die steuerlich interessante Gemeinnützigkeit einfordert, andererseits aber nicht Jedermann offen steht.

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