News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Chaos beim Sea of Love-Festival

Chaos beim Sea of Love-Festival

Von Thomas Waetke 16. Juli 2011

Beim Sea of Love-Festival in Freiburg drängten gestern Abend ca. 2.000 Besucher zuviel in eine Halle, in der nur für 6.500 Personen Platz war. Als die Polizei anrückte, um in dem Chaos vor und in der Halle eine Panik zu verhindern, warfen Besucher Flaschen und Steine gegen die Polizei.

Viele Besucher waren sauer, weil auch der Campingplatz völlig überfüllt war.

BILD online zitiert einen Polizeisprecher mit den Worten: „Die Zahl der Ordner war äußerst, äußerst unterdimensioniert“.

Der Veranstalter habe sich nach Angaben der Polizei nicht an Sicherheitsauflagen gehalten und mit Absperrungen Fluchträume versperrt, ebenso habe der Veranstalter keine Möglichkeit gehabt, per Lautsprecher Durchsagen machen zu können. Diese erfolgten dann erst durch die eintreffenden Polizeikräfte.

Leider mal wieder ein passendes Beispiel, wenn wir die Meldungen über die Vorfälle in Freiburg ungeprüft als wahr unterstellen: Was helfen Sicherheitskonzepte, was helfen Sicherheitsauflagen, wenn der verantwortliche Veranstalter sie nicht umsetzt?

Leider muss der Besucher die Profitgier, Sparzwang und fehlende Professionalität eines Veranstalters ausbaden – allerdings ahnt er das im Vorfeld ja nicht, sondern verlässt sich auf eine ordentlich organisierte und ausreichend abgesicherte Veranstaltung.

Es ist erstaunlich:

Baurechtlich prüft das Baurechtsamt (wenn es fachlich dazu in der Lage ist) penibel die Einhaltung der Bauvorschriften.

Wer aber prüft den Veranstalter? Ob er Fachwissen hat? Ob er die erforderliche Sorgfalt mitbringt? Ob er zuverlässig ist? Niemand!

Absurd:

  • Wer gewerbsmäßig Sachen versteigert, benötigt eine behördliche Erlaubnis dazu. Der Versteigerer muss zuverlässig sein… (siehe § 34 b Gewerbeordnung).
  • Ein Makler braucht auch eine Erlaubnis, auch er muss zuverlässig sein (§ 34 c Gewerbeordnung).
  • Der Gastwirt braucht eine Konzession, auch er bekommt sie nur, wenn er zuverlässig ist (§ 2 Gaststättengesetz).

Veranstaltungen kann aber jeder machen, ohne jede Kontrolle…

Der Gesetzgeber müht sich derzeit vor dem Hintergrund des Unglücks auf der Loveparade mehr schlecht als recht um das Thema Sicherheitskonzept. M.E. wäre es aber sinnvoller, mal beim Veranstalter anzufangen und Beschränkungen zumindest vergleichbar den vorgenannten Beispielen einzuführen.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Polizeiwagen in Reihe (Symbolbild): © Jörg Hüttenhölscher - Fotolia.com