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aus dem Eventrecht

Bungee-Jumping aus 500 Meter Höhe

Von Thomas Waetke 24. September 2010

Der höchste Fernsehturm der Welt steht im chinesischen Guangzhou (ca. 600 Meter). Nach Angaben des Fremdenverkehrsamtes der Stadt sollen bald Bungee-Jump-Sprünge aus fast 500 Meter Höhe angeboten werden. Wo findet sich das Bungee-Jumping im Recht wieder?

1. Entgeltfortzahlung bei Krankheit

Bungee-Jumping wird von den meisten Arbeitsgerichten als gefährliche Sportart angesehen. Verletzt sich der Arbeitnehmer bei Sprüngen in seiner Freizeit, dann verliert er sehr wahrscheinlich seinen Anspruch auf die gesetzliche Entgelt- fortzahlung im Krankheitsfall – die gibt es nämlich nur bei unverschuldeten Krankheiten. Bei Krankheiten durch gefährliche Sportarten aber ist die Krankheit nicht mehr unverschuldet (ähnlich wie bspw. beim Kickboxen).

2. Unfallversicherung bei Betriebsveranstaltung

Wenn der Betrieb zum gemeinsamen Bungee-Jumping einlädt und daraus eine Betriebsfeier bzw. einen Betriebsausflug macht, dann sollte vorher bei der Berufsgenossenschaft bzgl. der Abdeckung durch die gesetzliche Unfallversicherung gefragt und ggf. extra versichert werden. Zum Betriebsfest siehe unseren Kommentar zur News vom 22.09.2010 (hier klicken).

3. Haftung des Anbieters

Der Anbieter von solchen Sprüngen hat natürlich ein deutlich erhöhtes Haftungsrisiko. Ungeachtet davon, dass er eine entsprechende Haftpflichtversicherung abschließen sollte, muss er besonders auf die Springer acht geben. Er muss bekanntlich das Erforderliche und Zumutbare tun, um Schäden zu vermeiden.

Je höher das Risiko, desto mehr muss er tun. Natürlich weiß der Springer, dass es abwärts geht – darüber muss er also nicht aufgeklärt werden. Jedoch muss der Anbieter darüber aufklären, ob und welche Gefahren für Schwangere, Übergewichtige, Kinder, ältere Personen, Personen mit Behinderung usw. bestehen. Er muss zumindest per Inaugenscheinnahme kontrollieren, ob der Springer geeignet für den Sprung ist: Nur weil am Eingang ein Schild steht „Nur ab 1,60 Meter Körpergröße“ darf er den 4-Jährigen Peter nicht springen lassen. Er muss also sein Personal anweisen, zumindest optisch nochmals zu kontrollieren und ggf. den Springer auch nochmals anzusprechen.