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aus dem Eventrecht

Biss ins Ohr

Von Thomas Waetke 27. Dezember 2010

Ein Barbesitzer hat (s)einem DJ ins Ohr gebissen, nachdem der DJ seine Gage aus der Kasse nehmen wollte.  Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, hatte sich der DJ seine Gage von 120 Euro aus der Kasse genommen und wurde dabei vom Barbesitzer entdeckt. Der Barbesitzer soll den DJ geschlagen und dann auch ins Ohr gebissen haben. Der DJ wurde vom Amtsgericht Augsburg zu einer Geldstrafe wegen Diebstahls verurteilt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Grundsätzlich darf man sich natürlich aus einer Kasse nicht selbst bedienen. Der DJ hatte hier vor dem Amtsgericht behauptet, dass das so üblich sei. Da der Barbesitzer und andere Mitarbeiter das aber nicht bestätigt hatten, konnte der DJ diese Behauptung nicht behaupten. Ob das Beißen in ein Ohr des Diebes die Lösung des Problems ist, sei einmal dahingestellt…

In Geldsachen sollten Sie vorsichtig sein:

1.) Wechselgeld abholen oder zur Bank bringen

Wenn Sie beauftragt sind, Wechselgeld für eine Veranstaltung bei der Bank zu holen bzw. zurückzubringen (und das nicht durch professionelle Geldkuriere gemacht wird), dann sollten Sie darauf bestehen, von einer zweiten Person begleitet zu werden. Stellen Sie sich vor, Sie sind alleine und jemand entreißt Ihnen die Geldtasche. Wie wollen Sie das beweisen, wenn nicht zufällig ein Passant Sie beobachtet hat?

2.) Übergabe von Geld

Lassen Sie sich jede Übergabe von Geld schriftlich quittieren und heben Sie die Quittungen mindestens 3 Jahre auf. Dabei spielt keine Rolle, ob Sie Geld von jemandem erhalten oder Sie Geld an jemanden auszahlen. Im Streitfall müssen Sie beweisen, dass Sie Bargeld ausbezahlt haben.

3.) Mankohaftung

Wenn Sie für die Abendkasse eingeteilt sind, kann es immer mal wieder vorkommen, dass Sie sich verzählen und nachher Geld in der Kasse fehlt. Sofern Sie Arbeitnehmer sind, hilft Ihnen hier das so genannte Drei-Stufen-Modell der Arbeitnehmerhaftung:

  • Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit müssten Sie den Schaden voll ersetzen.
  • Bei nur leichter Fahrlässigkeit müssten Sie nichts ersetzen, dann bleibt der Arbeitgeber auf dem Fehlbetrag-Schaden sitzen.
  • Bei mittlerer Fahrlässigkeit müssten Sie einen prozentualen Anteil des Fehlbetrages zahlen.

Der Arbeitgeber kann hier aber auch ein so genanntes Mankogeld bezahlen. verursacht der Mitarbeiter keinen Schaden (keinen Fehlbetrag), dann hat er also einen Zusatzverdienst. Verrechnet er sich aber mal beim Wechselgeld, so kann er den Schaden durch das erhaltene Mankogeld bestenfalls ausgleichen.