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Besucherin von Crowd Surfer verletzt: Muss Veranstalter zahlen?

Besucherin von Crowd Surfer verletzt: Muss Veranstalter zahlen?

Von Thomas Waetke 30. Januar 2016

Nachdem eine Besucherin eines Konzerts in Miesbach im Jahr 2014 durch einen Crowd-Surfer am Auge verletzt wurde, kam es nun zum Gerichtsverfahren gegen den Veranstalter.

Die Besucherin stand nach eigenen Angaben vorne in der Mitte – während ein Crowd-Sufer über die Menge getragen wurde und sie dabei mit dem Schuh am Auge traf. Nach Ansicht der Richterin trage die Geschädigte aber ein erhebliches Mitverschulden (siehe § 254 BGB): „Sie haben sich freiwillig vorne hingestellt, wo Sie besonders gefährdet waren“.

Dieses Argument halte ich für fragwürdig: Ist man auf einem Konzert denn typischerweise „besonders gefährdet“, nur weil man vorne an der Bühne steht? Muss dann – mit Blick auf die Besuchersicherheit – nicht erst recht dafür gesorgt werden, dass vor der Bühne die Besucher gerade nicht „besonders gefährdet“ sind?

In dem Fall kam noch eine Besonderheit hinzu: Die Geschädigte hat wohl durchaus gesehen, dass jemand von anderen Besuchern über die Menge getragen wurde – ihn dann aber nicht weiter beobachtet – auch das warf das Gericht der Geschädigten vor. Und auch dieses Argument ist durchaus fragwürdig: Vorne spielt die Musik, dafür zahle ich. Von hinten kommt ein Idiot, den ich nun auch noch beobachten soll. Und: Wohin denn, wenn es voll ist?

Das eigentliche Argument dürfte in der Frage liegen, ob und wie überhaupt der Veranstalter verantwortlich gemacht werden kann. Anders als beim Stage Diving, wo ein Besucher auf die Bühne klettert und von dort hinunterspringt, beginnt das Crowd Surfen oftmals mitten unter den Zuschauern. Ein Veranstalter bzw. sein Sicherheitsdienst hat hierauf anders als beim Stage Diving erst einmal keinen direkten Zugriff, um das zu verhindern.

Immerhin erhält die Geschädigte nun 10% ihrer Klageforderung, sie hatte sich mit dem Veranstalter im Verfahren geeinigt.

Grundsätzlich „direkter“ wäre der Weg gegen den tatsächlichen Täter, also den Crowd Surfer: Hier wäre dann zu überlegen, ob und inwieweit er damit hätte rechnen können, andere Personen zu verletzen – zumal es sich beim Crowd Surfen nicht um ein klassisches Fortbewegungsmittel handelt.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Crowdsurfen: © shocky - Fotolia.com