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aus dem Eventrecht

Besucherin fordert 25.000 Euro von Veranstalter

Von Thomas Waetke 21. April 2011

Nach dem Chaos bei einer Autogrammstunde von Deutschland sucht den Superstar (DSDS) in Oberhausen (siehe hier) fordert eine Besucherin Schmerzensgeld und Schadenersatz vom Veranstalter in Höhe von 25.000 Euro.

Die Besucherin sei bei dem Gedränge so schwer verletzt worden, dass die Entfernung des Blinddarms erforderlich geworden sei.

 

Was steckt dahinter?

 

Wenn einer vom anderen irgendetwas will…

  1. benötigt er dazu eine gesetzliche oder vertragliche „Anspruchsgrundlage“, und
  2. er muss die Voraussetzungen dieser Anspruchsgrundlage grundsätzlich beweisen.

 

Beispiel:

A will von B Schmerzensgeld, da B den A auf die Nase geschlagen haben soll.

 

Anspruchsgrundlage aus dem Gesetz: § 823 Absatz 1 BGB. Dort heißt es sinngemäß: Es ist nicht erlaubt, einen anderen ohne Grund (z.B. Notwehr) zu verletzen; wer es dennoch macht, muss zahlen.

 

Nachdem wir nun also die passende Anspruchsgrundlage haben, muss A die Voraussetzungen des § 823 BGB beweisen:

  • Voraussetzung Nr. 1: Schaden = Ja, A ist verletzt. A müsste das ggf. durch ein ärztliches Attest nachweisen.
  • Voraussetzung Nr. 2: Handlung oder Unterlassen durch B = Ja, B hat zugeschlagen, dafür müsste es Zeugen geben, oder B ist ehrlich genug oder es gibt ausreichend Anhaltspunkte dafür.
  • Voraussetzung Nr. 3: B hat rechtswidrig gehandelt = Ja, die Rechtswidrigkeit kann man hier unterstellen, B müsste nun seinerseits beweisen, dass er bspw. in Notwehr gehandelt hat.
  • Voraussetzung Nr. 4: Kausalität bzw. Ursachenzusammenhang zwischen Handlung und Schaden: Ja, denn hätte B nicht geschlagen, hätte sich A nicht die Verletzung zugezogen.
  • Voraussetzung Nr. 5: Schuldhaftes Handeln des B, A müsste also beweisen, dass B zumindest fahrlässig zugeschlagen hat (naja, aus Versehen boxt man ja wohl niemanden…).

 

In der Praxis am schwierigsten ist es, das Zuschlagen und den Schaden zu beweisen – und, was gerne übersehen wird: A muss beweisen können, dass er sich durch den Schlag verletzt hat und vielleicht nicht schon zuvor bei einer anderen Schlägerei.

 

Dies übertragen auf den eingangs beschriebenen Fall mit DSDS heißt das:

 

Die Besucherin muss beweisen, dass ihre Gesundheit durch ein fahrlässiges oder vorsätzliches Fehlverhalten des Veranstalters verletzt wurde. Die Probleme in der Praxis:

 

Die Besucherin muss also u.a. beweisen, dass …

  • sie überhaupt bei der Autogrammstunde dabei war,
  • es dort einen Vorfall gab, der die Blinddarm-OP wirklich erforderlich gemacht hat,
  • dieser Vorfall von dem Veranstalter zumindest fahrlässig zu vertreten ist
  • der Betrag von 25.000 Euro angemessen ist bzw. durch Krankenhausrechnungen belegt werden kann.

 

Kann sie im Gerichtsverfahren nur eine dieser Voraussetzungen nicht beweisen, würde sie den Prozess verlieren.

 

Einfach wird es also nicht.

 

 eventfaq-Tipp

Wenn Sie einen Vertrag schließen, sollten Sie immer eine Haftungsklausel mit aufnehmen, mit der Sie Ihre eigene Haftung soweit zulässig reduzieren. Lesen Sie dazu unseren Beitrag Vorsicht beim Haftungsausschluss.