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Besucherandrang höher als erwartet?

Besucherandrang höher als erwartet?

Von Thomas Waetke 25. Juli 2014

Bei einer Veranstaltung am Samstag in Rastatt (Baden-Württemberg) soll es zu panikartigen Zuständen gekommen sein, als Besucher der frühabendlichen Show die Veranstaltung verlassen und Besucher der Abendshow durch den selben Weg in die Veranstaltung hinein wollten. Da ein Ordnungsdienst bzw. offenbar generell ein Sicherheitskonzept nicht vorhanden war, kam es zu einem Gedränge und Geschiebe, und Besucher sollen sich aggressiv verhalten haben. Der Veranstalter gab an, anfangs nur mit 2.000 bis 2.5000 Besuchern gerechnet zu haben. Später habe man bei der Planung die Besucherzahl auf bis zu 4.000 Besucher erhöht, Behördenangaben zufolge sollen es aber nachher ca. 5.000 Besucher gewesen sein. Die Veranstaltungsfläche hat eine Kapazität von 5.400 Besuchern. Der Eintritt war kostenlos, der Veranstalter hatte überregional Werbung gemacht.

Inwieweit ist ein Veranstalter verantwortlich, wenn der Besucherandrang höher ist als erwartet?

Es ist ja nicht die erste Veranstaltung, bei der sich der Veranstalter bei der Besucherzahl verschätzt. Man kann den Veranstalter aber auch nicht für alle Eventualitäten und unerwartete Vorfälle verantwortlich machen.

Ganz allgemein wird man aber sagen können:

  • Der Veranstalter (und soweit die MVStättVO anwendbar ist auch der Betreiber) ist verantwortlich für den sicheren Ablauf der Veranstaltung. Dazu gehört insbesondere, dass er verhindert und geeignete Maßnahmen vorbereitet, dass zu viele Personen zeitgleich auf der Veranstaltungsfläche sind.
  • Je umfangreicher Werbung betrieben wird, desto mehr muss der Veranstalter damit rechnen, dass ggf. mehr Besucher kommen als erwartet. Gerade bei Open Air-Veranstaltungen hängt das auch von der Wetterlage ab, aber auch allgemein von ggf. zeitgleich stattfindenen Veranstaltungen, Schulferien usw.
  • Wenn auf derselben Veranstaltungsfläche zwei Vorführungen unmittelbar hintereinander stattfinden, und gehende und kommende Besucher sich überschneiden, so sollte grundsätzlich immer an eine Trennung der beiden Besucherströme erfolgen. Ich selbst besuchte vor 2 Jahren einen Weihnachtszirkus in der Mittagsvorstellung. Als diese zu Ende war, standen wir 1 Stunde im Stau im Vorzelt, weil die Besucher der Abendveranstaltung hineindrängten, und wir wollten hinaus. Eine Stunde lang kam man nur im Schneckentempo vorwärts. Bemühungen des Veranstalters, die hineinströmenden Besucher erst einmal vor dem Zelt zu halten, bis die bereits darin befindlichen aber hinausgehenden Besucher das Zelt verlassen hatten, waren nicht erkennbar.
  • Letztlich dürfen sich zeitgleich immer nur eine bestimmte Anzahl Personen in der Veranstaltungsfläche aufhalten. Werden zwei Shows direkt hintereinander geplant, muss der Veranstalter grundsätzlich damit rechnen, dass beide Shows ausverkauft bzw. voll sind. Dann aber ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich die beiden Besuchergruppen jedenfalls teilweise zeitgleich in der Veranstaltungsfläche aufhalten – oder direkt davor: Wird der Haupteingang zugleich als Hauptausgang genutzt, ist das Chaos vorprogrammiert.
  • Selbst wenn ein Veranstalter nicht mit einem ausverkauften Haus rechnet, so kann es jedenfalls erforderlich und zumutbar sein, durch einen Ordnungsdienst, der zumindest an dem Eingang = Ausgang positioniert wird, sicherzustellen, dass die beiden Besucherströme nicht aufeinanderprallen.
  • Dies gilt umso mehr, wenn die Veranstaltungsfläche durch Mauern o.Ä. umgrenzt ist, und ein Ausweichen nicht möglich ist.

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  • Menschenmenge (lila, blaue, rosa Farben): © maxcam - Fotolia.com