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aus dem Eventrecht

Besucher verletzt sich bei Mitmachaktion im Zirkus

Von Thomas Waetke 15. Januar 2013

Bei einer Vorstellung in einem Zirkus in München wurde am Freitag ein Zuschauer verletzt, als er bei einer Tauzieh-Nummer mitmachte. Ein Artist hatte 12 Zuschauer in die Manege gebeten.

Jeweils sechs sollten rechts und links an einem Tau ziehen, das der Artist in der Mitte festhielt. Plötzlich ließ der Artist (absichtlich) das Tau los, und die mitmachenden Zuschauer purzelten übereinander – offenbar finden Zuschauer so etwas lustig.

Einer der mitmachenden Zuschauer fiel dabei aber unglücklich auf den Hinterkopf, und wurde am Ende der Vorstellung offenbar bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht. Er fordert nun Schadenersatz vom Zirkus.

Der Artist behauptet, dass er diese Show seit fünf Jahren mache und sich bisher noch niemand verletzt hätte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Zunächst: Nur weil jemand jahrelang etwas macht, muss es nicht richtig sein. Es stellt sich hier schon die Frage, ob der Artist nicht für die Verletzung verantwortlich ist: Immerhin gehört es ja zur Show, dass er das Tau absichtlich los lässt, d.h. die mitmachenden Zuschauern sollen umfallen.

Die Frage ist, ob eine Verletzung des Zuschauers für den Artisten vorhersehbar und vermeidbar war. Hier würde ich klar sagen: Ja. Wenn mehrere Männer mit allen Kräften an einem Tau ziehen und plötzlich lässt das Tau nach, dann muss auch mit Verletzungen beim Umfallen gerechnet werden.

Nicht völlig abwegig könnte sogar der Vorwurf sein, dass der Artist eine Verletzung billigend in Kauf genommen hat – dann würde es sich um eine Vorsatztat handeln: das wäre nicht nur strafrechtlich eine andere Liga als Fahrlässigkeit, sondern würde auch zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.