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aus dem Eventrecht

Besucher durften TV-Studio nicht verlassen

Von Thomas Waetke 15. Oktober 2010

Zuschauer der neuen Quiz-Sendnung im ZDF durften nach Schluss der Sendung das Studio nicht verlassen und mussten 7 Stunden warten. Nach Angaben von Zuschauern durfte keiner auf die Toilette, auch gab es keine Getränke. Das ZDF und der Moderator haben sich bereits für die Panne entschuldigt. Offenbar beruhte die Panne auf einer vertraglichen Vereinbarung mit der Versicherung, die das Preisgeld von 1 Million Euro absicherte und gefordert hatte, erst das Geld zu zählen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Normal ist es ja eher anders herum: Man kommt nicht rein. Hier aber kamen die Besucher nicht mehr raus.

1. Strafrecht → Freiheitsberaubung?

Wer einen Menschen einsperrt oder auf andere Weise der Freiheit beraubt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (§ 239 Absatz 1 Strafgesetzbuch, kurz: StGB). Bestraft wird das Festhalten oder Einsperren, das nicht nur unwesentlich kurz ist. Die Dauer von 7 Stunden wie im oben geschilderten Fall ist auf jeden Fall ausreichend, um ein Festhalten zu bejahen.

Der Täter muss auch mit Vorsatz handeln, er muss als wollen, dass die Bewegungsfreiheit aufgehoben wird. Auch dies dürfte hier gegeben sein; nach Aussagen von Besuchern soll Ordnungspersonal an den Türen gestanden und den Ausgang verwehrt haben.

Die Tat muss auch rechtswidrig gewesen sein. Rechtswidrig ist die Tat, wenn sie nicht ausnahmsweise erlaubt ist. Dies wäre bspw. bei Notwehr oder Nothilfe der Fall, oder um den Festgehaltenen selbst zu schützen (Beispiel: Vor dem Studio findet eine wilde Schießerei statt. Um Verletzung der nach Hause gehenden Besucher zu vermeiden, versperrt der Betreiber die Türen). Hier aber wurden die Zuschauer festgehalten, um vertraglich vereinbarte Sicherheitsmaßnahmen durchführen zu können (Geld zählen). Dies aber ist m.E. noch lange kein Grund, den Zuschauer derart lange festzuhalten. Anders wäre es allenfalls dann, wenn der Zuschauer vor Betreten des Studios bzw. vor dem Ticketkauf darauf hingewiesen worden wäre, dass es nach dem Ende der Show zu einer mehrstündigen Wartezeit kommen würde.

Unter dem Strich dürften sich die Verantwortlichen der TV-Produktion womöglich tatsächlich strafbar gemacht haben.

2. Zivilrecht → Schadenersatz / Schmerzensgeld?

Dadurch würde dann der festgehaltene Zuschauer auch einen Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld haben (vgl. § 823 Absatz 2 BGB in Verbindung mit § 239 StGB). Allerdings müsste der Zuschauer dann einen tatsächlichen Schaden nachweisen können, der ihm durch das Festhalten entstanden ist. Beispiel: Der Zuschauer verpasst einen Termin). Denkbar ist auch ein Schmerzensgeld, das ein Gericht im Streitfall schätzen würde.