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aus dem Eventrecht

Berliner Zoo: Touristin geht baden

Von Thomas Waetke 5. August 2014

Im Berliner Zoo ist eine englische Touristin in das Becken der Seehunde gesprungen, wie es scheint, sogar absichtlich. Ihr Badegang wurde von ihrem Begleiter gefilmt, Augenzeugen zufolge soll sie nach dem Ende der Besucherzeit ca. 15 Minuten ihre Kreise gezogen haben. Der Zoodirektor auf die Frage, ob der Zoo ein Sicherheitsproblem habe: Unser Personal kann nicht überall sein. Richtig erstmal. Auch auf einer Veranstaltung kann ein Besucher nicht damit rechnen, dass überall auf dem Veranstaltungsgelände Sicherheitskräfte und Sanitäter vorhanden sind. Aber:

Solange sich Besucher auf dem Gelände aufhalten, sollte der verantwortliche Betreiber bzw. Veranstalter zumindest in der Lage sein, auf einen Vorfall zu reagieren und Hilfspersonen zum Ort des Ereignisses schicken können.

Wenn schon nicht durch die Sicherheitsorganisation im Vorfeld ein Ereignis verhindert werden kann, muss die nachgeschaltete Notfallorganisation greifen: Zunächst muss der Betreiber bzw. Veranstalter im Rahmen des Erforderlichen und Zumutbaren versuchen, den Schadenseintritt überhaupt zu verhindern. Kommt es dennoch zu einem Schadenseintritt, muss er in der Lage sein, darauf zu reagieren. Auch hierzu hat er im Rahmen des Erforderlichen und Zumutbaren Maßnahmen zu treffen, um auf den Notfall vorbereitet und sein und ihn bewältigen zu können.

Wie ich in meinem gestrigen (reiner Zufall!) Beitrag Verkehrssicherung für unbefugte Nutzer? dargestellt habe, kann der Verkehrssicherungspflichtige durchaus verantwortlich sein, wenn ein unbefugter Nutzer sich verletzt. Ob es in England üblich ist, in ein Seehundebecken zu hüpfen, weiß ich nicht. Nach deutschem Recht dürfte es sich bei der Touristin sicherlich um eine „unbefugte Nutzerin“ handeln. Es wäre also (hätte sie sich verletzt) zumindest zu prüfen, ob ausreichend erkennbar war, dass das keine Badeteich ist, sondern ein Raubtierbecken, und ob ausreichend Maßnahmen getroffen waren, Besucher grundsätzlich vor einem versehentlichen Hineinfallen zu schützen. Schließlich wäre zu prüfen, ob es eine ausreichende Notfallorganisation gegeben hat.