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aus dem Eventrecht

Berlin-Festival verkürzt

Von Thomas Waetke 11. September 2010

Aufgrund eines zu großen Andranges im Eingangsbereich haben sich die Veranstalter des Berlin-Festivals am gestrigen Freitag abend bzw. heute Nacht entschlossen, das Festival aus Sicherheitsgründen deutlich zu kürzen.

In Absprache mit der Polizei endete das Konzert im Hangar4 noch vor dem Auftritt der Topacts Fatboy Slim und 2manydjs gegen halb drei.

„Der Abbruch war eine überaus harte Entscheidung, die manche für übervorsichtig halten mögen. Im Kontext aktueller Sicherheitsdebatten wurde sie jedoch bewusst und im Sinne größtmöglicher Sicherheit für unsere Festivalbesucher getroffen“, so die Veranstalter.

Nach Angaben des Veranstalters war das Problem weniger die Kapazität im Hangar4, sondern vor dem Eingang hierzu. Als Konsequenz wurden auch das Ende am heutigen Samstag schon auf 23 Uhr vorverlegt. Der Veranstalter änderte soweit möglich das Programm.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ob diese Entscheidung erforderlich war oder nicht, ist hinfällig. Jedenfalls ist äußerst lobenswert, dass sich ein Veranstalter zu solch einem Schritt zum Schutz seiner Besucher entscheidet: Oftmals scheitern solche Entscheidungen am Mut bzw. Durchsetzungsvermögen des Verantwortlichen. Immerhin stehen regelmäßig hohe wirtschaftliche Interessen (Getränkeverkauf, Image usw.) solchen Maßnahmen gegenüber.

Eine „gesetzliche“ Regelung kennt die Versammlungsstättenverordnung in § 38 Absatz 4: Hiernach muss der Betreiber den Betrieb der Versammlungsstätte einstellen, wenn die Sicherheit der Versammlungsstätte notwendige Anlagen, Einrichtungen oder Vorrichtungen nicht betriebsfähig sind oder wenn Betriebsvorschriften nicht eingehalten werden können. Auch dies ist eine in der Praxis oftmals schwierige Entscheidung, zu der sich der Betreiber erst einmal durchringen können muss:

  • Er will ja nicht als Angsthase verschrien werden, wenn sich die Entscheidung später als übertrieben darstellt.
  • Er will Besucher und Vertragspartner nicht stören.
  • Ein früher Abbruch kann viel Geld kosten (Rückerstattung von Eintrittsgeldern, weniger Gastronomieumsatz usw.).

Übrigens: Muss der Entscheider erst andere Personen kontaktieren um sich „abzusichern“ und um bspw. keine arbeitsrechtlichen Sanktionen zu fürchten, dann dürfte er schon bereits kein tauglicher Veranstaltungsleiter sein. Muss bspw. der Veranstaltungsleiter erst seinen Vorgesetzten anrufen um die Entscheidung bestätigen zu lassen, dann dürfte das eben kein tauglicher Veranstaltungsleiter sein, der Betreiber gilt dann als nicht anwesend (das ist eine Ordnungswidrigkeit!).