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Beim stagediving wohl zu tief getaucht

Beim stagediving wohl zu tief getaucht

Von Thomas Waetke 18. Juli 2012

Bei einem Auftritt der US-Band Biohazard am Sonntag in Kosice (Slowakei) unterbrach die Band ihr Konzert kurzzeitig, da ein Fan von der Bühne sprang und bewusstlos auf dem Boden blieb. Den slowakischen Fans musste der Sänger daraufhin das Prinzip des stagediving nochmals klarmachen: „If you’re gonna jump off stage, you’ve gotta catch each other. We’re fucking brothers, we’re fucking sisters“.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Viele Veranstalter verbieten das Stagediving, da es immer wieder zu üblen Verletzungen führen kann.

1.) Stagediver verklagt Veranstalter

Das Landgericht Hechingen hatte sich 2002 mit einem Unfall zu befassen, bei dem ein Zuschauer von der Bühne gesprungen war und sich schwer verletzt hatte. Der Zuschauer nahm daraufhin den Veranstalter in Anspruch, da er das Stagediving hätte verhindern müssen.

Das sah das Landgericht anders: Zwar muss der Veranstalter das Erforderliche und Zumutbare unternehmen, um Schaden von seinen Besuchern fernzuhalten. Jedoch hat das Landgericht den Umstand berücksichtigt, dass der Besucher freiwillig auf die Bühne geklettert. „Bei einem 15-jährigen, das Gymnasium besuchenden Teilnehmer kann jedoch auf Grund seiner intellektuellen Fähigkeiten und seiner Entwicklung davon ausgegangen werden, dass er sich über das Verletzungsrisiko beim Stage-Diving bewusst ist“ so das Landgericht Hechingen.

2.) Vom stagediver getroffener Besucher verklagt Veranstalter

Das Oberlandesgericht Hamm hatte 2001 entschieden, dass ein Veranstalter seine Besucher in erforderlichem und zumutbaren Umfang vor Schäden schützen müsse; dazu gehöre auch, das stagediving zu verhindern. Im Fall war ein Fan von der Bühne gesprungen, und hatte dabei eine Besucherin verletzt, die nun den Veranstalter auf Schadenersatz verklagte.

Das OLG Hamm entschied, dass der Veranstalter sehr wohl hätte Vorkehrungen treffen müssen und können, bspw. durch Absperrungen zu verhindern, dass Fans überhaupt auf die Bühne klettern hätten können.

Allerdings sprach das Gericht der verletzten Besucherin auch eine Mitschuld zu: Sie hätte wissen können, dass bei Rockkonzerten Fans von der Bühne springen und hielt sich in der 3. Reihe auf – das Oberlandesgericht dazu:

Dies ist ein durchaus gefährlicher Bereich. Gerade nah an der Bühne ist die Stimmung am ausgelassensten und steigert sich im Laufe des Konzertes noch. Dies kann von der Klägerin im Verlauf des Abends nicht unbemerkt geblieben sein. Nahe der Bühne ist die Gefahr besonders hoch, dass es zu Vorfällen kommt, die körperliche Verletzungen nach sich ziehen können. Wer die Steigerung und das Aufheizen der Stimmung im Laufe des Konzertes mitbekommt und sich gleichwohl bis zum Höhepunkt des Konzertes in vorderster Front aufhält, der setzt sich selbst der Gefahr mit aus und muss sich dies bei Schadenseintritt entgegenhalten lassen.“

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