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Bayern: Verurteilung nach Feuer in nicht genehmigter Herberge

Bayern: Verurteilung nach Feuer in nicht genehmigter Herberge

Von Thomas Waetke 9. Februar 2016

Bei einem Feuer in einem denkmalgeschützten Bauernhof in Schneizlreuth (Bayern) wurden 2015 sechs Menschen getötet, 20 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Nun endete der erste Prozess gegen den Pächter, der vom Landgericht Traunstein zu drei Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verurteilt wurde.

Nach Auffassung des Gerichts sei dem Pächter, der in dem Bauerhof Incentive-Gruppen untergebracht hatte, bewusst gewesen, dass er für den Übernachtungsbetrieb keine Genehmigung hatte – und sie auch nicht bekommen hätte.

Das Feuer war offenbar durch eine achtlos weggeworfene Zigarette entstanden, die Brandschutzmaßnahmen in dem Gebäude waren vollkommen unzureichend.

Der Pächter beherbergte u.a. eine Gruppe Mitarbeiter aus einem Unternehmen, denen der Chef ein „Eventwochenende“ spendieren wollte.

Aufgrund der Zeugenaussagen im Prozess soll nun auch die Verantwortung der Gemeinde überprüft werden, da offenbar u.a. der ehemalige Bürgermeister von der fehlenden Genehmigung und dem laufenden Beherbergungsbetrieb gewusst haben soll, ohne dagegen einzuschreiten. Nach Ansicht der Verteidiger des Pächters sei er durch das tatenlose Zusehen aus dem Rathaus in seinem Verhalten geradezu bestärkt worden.

Tatsächlich ist es so, dass es im Strafrecht auch den sog. geistigen Beihelfer gibt: Alleine dadurch, dass er dem Täter bei Durchführung seiner Straftat tatenlos zuschaut, dabei aber eine höhergestellte Funktion einnimmt, vermittelt er dem Täter ggf. das Gefühl, die Straftat zu billigen bzw. gar, dass es „nicht so schlimm“ sei. Dies kann auch Geschäftsführer, Vorgesetzte oder Fachberater betreffen, die dem rechtswidrigen Verhalten keinen Einhalt gebieten.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Liegender Richter-Hammer aus Gerichtssaal: © Natalia Merzlyakova - Fotolia.com