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Baum fällt knapp neben Zuschauern um

Baum fällt knapp neben Zuschauern um

Von Thomas Waetke 10. August 2013

Viel Glück hatten am Freitag Abend Zuschauer einer Vorstellung auf der Naturbühne Hohensyburg in Dortmund (NRW), als zum Ende der Show ein 30 Meter hoher Baum auf das Gelände stürzte. Der Baum krachte unversehens wenige Meter neben den Zuschauern auf den Boden. Einige Zuschauer mussten daher mithilfe der Feuerwehr über einen steilen Weg evakuiert werden, da der normale Weg abgeschnitten war. Verletzt wurde niemand.

Wer eine Veranstaltung unter freiem Himmel veranstaltet, sollte auch einen Blick auf die Natur werfen: Nicht nur, damit sie hinterher genauso aussieht wie vorher, sondern auch, ob von ihr Gefahren für die Besucher ausgehen können.

Gerade von Bäumen kann eine große Gefahr ausgehen, wenn sie umfallen oder Äste abbrechen (Wind, Schneelast).

Die Gerichte erwarten vom Eigentümer des Baumes (ja, ein Baum steht nicht nur einfach herum, sondern er gehört auch jemandem), dass er seinen Baum überprüft, wenn der Baum auf öffentlichem Gelände steht. Eine Ausnahme gibt es nur für Bäume im Wald: Der Waldeigentümer ist nicht verpflichtet, jeden Baum zu kontrollieren.

Anders aber Bäume an einer Zufahrtsstraße oder auf einem Veranstaltungsgelände. Hier ist zumindest eine regelmäßige Sichtprüfung erforderlich. Der verkehrssicherungspflichte Eigentümer muss nicht erst dann reagieren, wenn ein Baum morsch ist, sondern schon vorher prüfen, ob er Sicherungsmaßnahmen treffen muss. Verkehrssicherungspflichtig ist der Grundstückseigentümer, auf dessen Grundstück der Baum steht. Vorsicht: Mietet der Veranstalter eine Außenfläche, die normalerweise nicht öffentlich für Veranstaltungen genutzt wird, sollte der Veranstalter vorsorglich ausdrücklich das Thema Baumprüfung mit dem Vermieter/Eigentümer besprechen.

Der Eigentümer muss zumindest eine fachkundige Prüfung durchführen: Entweder macht er es selbst, oder er beauftragt ein Fachunternehmen. Hierbei muss dann unter Berücksichtigung „forstwirtschaftlicher Erkenntnisse“ der Baum kontrolliert werden, bspw. durch Klopfen oder Freiräumen des Fußes. Ergeben sich für den Sachkundigen mögliche Gefahren, dann muss er auch weitergehend kontrollieren bzw. weitergehende Maßnahmen treffen.

Die zeitliche Abfolge ist bisher nicht klar definiert, viele Oberlandesgerichte gehen aber davon aus, dass der Baum zweimal im Jahr zu kontrollieren ist (mit und ohne Laub). Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) hat eine Baumkontrollrichtlinie herausgegeben, nach der eine Kontrolle auch einmal jährlich ausreichen soll. So haben sich bspw. auch das Landgericht Bonn und das Oberlandesgericht Köln in ihren Urteilen jeweils aus 2010 dieser Auffassung angeschlossen und darauf hingewiesen, dass die Baumkontrollrichtlinie als Stand der Technik angesehen werde: Wer sich hieran hält, mal erstmal grundsätzlich nichts falsch. Aber: Trotzdem muss der Verkehrssicherungspflichtige im Einzelfall prüfen, ob er nicht doch öfter kontrollieren muss, weil dies die konkreten Umstände eben erfordern.

D.h.: Ein Ausruhen auf einem Paragraphen oder einem Stand der Technik gibt es nicht! Stets muss der konkrete Einzelfall beachtet werden, ob sich hieraus doch mehr Pflichten ergeben.

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