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(Bahn-)Reisende müssen mit Verspätung rechnen

(Bahn-)Reisende müssen mit Verspätung rechnen

Von Thomas Waetke 4. Februar 2020

Immer wieder passiert es mal: Der Zug hat Verspätung, oder man steht im Stau. Ärgerlich wird es, wenn man deshalb zu spät zu einem Termin kommt: Bspw. zu (s)einem Auftritt, (s)einem Vortrag usw.

Was passiert bei einer Verspätung juristisch? Wer ist verantwortlich für den Schaden?

Ein Beispiel
Ein Veranstalter engagiert einen Referenten für einen Vortrag bei einer Tagung. Der Vortrag ist für 14 Uhr angekündigt. Der Referent wohnt ca. 100 km vom Tagungsort entfernt und fährt 2 Stunden vorher, also um 12 Uhr los. Unterwegs gerät er in einen Stau und trifft erst gegen 16 Uhr am Tagungsort ein. Zu diesem Zeitpunkt spricht aber bereits der letzte Referent, die Tagung ist gleich zu Ende.

Bei dem vereinbarten Termin spricht man juristisch von einem Fixtermin: Wenn der Referent erst um 16 Uhr eintrifft, wäre die verspätet erbrachte Leistung „Vortrag“ für den Veranstalter nicht mehr interessant.

Jetzt muss man 2 Vertragsverhältnisse unterscheiden:

  1. Das Vertragsverhältnis zwischen Veranstalter und Referent
  2. Das Vertragsverhältnis zwischen Veranstalter und Tagungsteilnehmer

1. Vertragsverhältnis zwischen Veranstalter und Referent

Innerhalb dieses Vertragesverhältnisses muss man nun nochmals unterscheiden:

  1. Vertragliche Ansprüche auf Leistung und Gegenleistung
  2. Schadenersatzansprüche

Fangen wir mit den vertraglichen Ansprüchen an, die sind einfach zu handhaben:

Der Referent hat seine Leistung = den Vortrag nicht erbracht. Damit hat er auch keinen Anspruch auf eine etwa vereinbarte Gage.

Nun schauen wir uns an, ob der Veranstalter gegen den Referenten Schadenersatzansprüche hat.

Hierbei kommt es nun darauf an, ob der Referent seine vertragliche Pflicht „Vortrag um 14 Uhr“ fahrlässig oder vorsätzlich verletzt hat (vgl. § 280 BGB).

Wenn der Referent also fahrlässigerweise zu spät losgefahren ist und für ihn ein verspätetes Eintreffen am Tagungsort vorhersehbar war, macht er sich tatsächlich schadenersatzpflichtig. D.h. er verliert nicht nur seinen Anspruch auf die Gage, sondern muss dem Veranstalter auch etwaige Schäden erstatten (dazu gleich).

2. Vertragsverhältnis zwischen Veranstalter und Tagungsteilnehmer

Wennn es sich bei dem Referenten um „den“ Referenten der Tagung gehandelt hat, für den sich Teilnehmer extra angemeldet hatten, dann können die Teilnehmer einen Anspruch gegen den Veranstalter haben, Teile der bereits bezahlten Teilnahmegebühren wieder erstattet zu erhalten bzw. gar nicht erst bezahlen zu müssen.

Der Veranstalter hat Pech:

Denn das Risiko, dass „sein“ Referent nicht pünktlich erscheint, trägt der Veranstalter. Und das kann er auch nicht (bspw. mit AGB) auf den Teilnehmer abwälzen.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

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