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Australien: Auto kracht in Café und bringt Gasflasche zur Explosion – Verantwortung der Beteiligten?

Australien: Auto kracht in Café und bringt Gasflasche zur Explosion – Verantwortung der Beteiligten?

Von Thomas Waetke 10. Juni 2015

Im australischen Ravenshoe sind mindestens 18 Besucher eines Cafés teilweise schwer verletzt worden, nachdem ein Auto in das Café fuhr und dadurch offenbar eine Gasflasche explodiert ist. Zuvor kollidierte das Auto auf einer naheliegenden Straßenkreuzung mit einem anderen Fahrzeug und wurde wohl durch die Wucht des Aufpralls in das Café geschleudert.

Anmerkung:

Nüchtern rechtlich betrachtet ist das eine Frage der Kausalität:

  • Kann der Autofahrer für die Folgen der Explosion der Gasflasche verantwortlich gemacht werden?
  • Kann der Gastronom dafür verantwortlich gemacht werden, dass er seine Gasflasche offenbar nicht ausreichend gesichert hat?

Das Aufstellen und Nutzen von Gasflaschen erhöht natürlich die Verkehrssicherungspflicht beträchtlich. Aber auch hier gilt, dass Maßnahmen nicht gegen jede erdenklichen Risiken getroffen werden müssen – dann müsste der Gastronom die Gasflasche tief einbuddeln, falls ein Flugzeug auf das Haus stürzt, und so verbuddeln, dass die Gasflasche nicht durch ein Erdbeben beschädigt werden kann.

Irgendwann erreichen die Verkehrssicherungspflichten eine Grenze – und spätestens ab hier beginnt für alle das allgemeine Lebensrisiko, d.h. man hat schlicht Pech, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

In Hessen ist man hier etwas forscher unterwegs: Der Leitfaden für die Sicherheit auf Großveranstaltungen nämlich sagt: „Er muss alle möglichen Risiken beachten und alle erdenklichen Schutzmaßnahmen für die Besucher ergreifen.“

Punkt 1: „Alle mögliche Risiken beachten“

Ok, damit könnte man noch leben, wobei das Risiko „3. Weltkrieg“ (das ist immerhin eines von „allen“ Risiken!) zu beachten sicherlich unnötig wäre.

Punkt 2: „Alle erdenklichen Schutzmaßnahmen ergreifen“

Hier schießt Hessen aber deutlich über das Ziel hinaus. Den das würde bedeuten, dass sich der Veranstalter auch auf die Auswirkungen eines 3. Weltkrieges, eines Erdbebens, eines Flugzeugabsturzes auf das Veranstaltungsgelände usw. vorbereiten müsste – und zwar nicht nur gedanklich, sondern aktiv indem er „Maßnahmen ergreift“.

Die Gerichte sind hier – richtigerweise – weniger anspruchsvoll: Es müssen gerade nicht alle erdenklichen Maßnahmen getroffen werden, sondern „nur“ solche, die erforderlich und zumutbar sind und die ein durchschnittlich vernünftiger Besucher erwarten darf.

Es müssen gerade nicht alle erdenklichen Maßnahmen getroffen werden, sondern „nur“ solche, die erforderlich und zumutbar sind und die ein durchschnittlich vernünftiger Besucher erwarten darf.

Man darf/muss es also einerseits nicht mit Sicherheit übertreiben, andererseits darf man die Anforderungen auch nicht unterschätzen. Und: Nur, weil eine Sicherheitsmaßnahme nervig, kostspielig oder störend wäre, heißt das nicht, dass man sie nicht durchführen müsste!

 

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