News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Augsburg: Unglück bei Feuershow vor Gericht

Von Thomas Waetke 23. Mai 2013

Eine misslungene Feuershow in einer Diskothek in Augsburg (Bayern) hat nun ihr Nachspiel vor Gericht. Der damalige Barkeeper und der Geschäftsführer wurden bereits strafrechtlich wegen gefährlicher Körperverletzung zu hohen Geldstrafen verurteilt. Nun fand die mündliche Verhandlung im Zivilprozess statt, in dem die Verletzte Schadenersatz und Schmerzensgeld fordert.

2010 wollte der Barkeeper Feuer spucken, dabei verschluckte er sich wohl beinahe und vor Schreck die gesamte Flüssigkeit ausgespuckt und dabei eine damals 18-Jährige Besucherin getroffen. Diese stand sofort in Flammen, andere Gäste erstickten diese mit ihren Jacken. Glück im Unglück: Ein zufällig anwesender Sanitäter konnte erste Hilfe leisten. Die Verletzte wurde mit schwersten Verletzungen an Armen, Hals und Oberkörper in eine Spezialklinik geflogen und lag mehrere Tage im Koma.

Außergerichtlich hatten die Diskothek bereits 60.000 Euro an die Besucherin bezahlt. Das Landgericht Augsburg hat nun in der Verhandlung vorgeschlagen, mit einer Zahlung von 120.000 Euro den Prozess einvernehmlich zu erledigen. Sollten die Parteien den Vorschlag des Gerichts nicht akzeptieren, muss ein Gutachten Licht ins Dunkle bringen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei einem Unfall wie hier geschehen gibt es zwei voneinander unabhängige Verfahren: Den Strafprozess und den Zivilprozess. Da beide vor verschiedenen Gerichten stattfinden (Strafgericht und Zivilgericht) und nach unterschiedlichen Prozessordnungen (Strafprozessordnung und Zivilprozessordnung) ablaufen, können beide Verfahren theoretisch auch unterschiedlich enden: Bspw. kann der Täter im Strafprozess freigesprochen werden, im Zivilprozess wird er aber zum Schadenersatz verurteilt.

Das kann daran liegen, dass es

  • im Strafprozess um die persönliche individuelle vorwerfbare Schuld des Täters geht: Hätte er den Unfall vermeiden können, mit dem, was er kann und weiß?,
  • dagegen im Zivilprozess eher ein objektivierter Maßstab angelegt wird: Hätte „man“ den Unfall vermeiden können?

Wer sich also bspw. viel Mühe macht, und es kommt dann trotzdem zu einem Schaden, der kann strafrechtlich möglicherweise nicht belangt werden, weil man ihm persönlich keinen Vorwurf machen kann: Er konnte es eben nicht besser, hat aber das Beste gegeben.

Anders im Zivilrecht: Da geht es weniger um die persönliche Leistungs(un)fähigkeit des Täters, sondern darum, ob der Durchschnitt der dem Täter vergleichbaren Personengruppe (Beispiel: Täter = Eventmanager; vergleichbare Personengruppe = alle Eventmanager) den Unfall hätte vermeiden können. Wenn ja, dann müsste der Täter zivilrechtlich Schadenersatz zahlen, obwohl er strafrechtlich freigesprochen wurde.

Das heißt: Wenn Sie für sich alles tun, was für Sie möglich und zumutbar ist, dann bewahren Sie sich zumindest die Möglichkeit, strafrechtlich nicht belangt werden zu können. Sie müssen vielleicht möglicherweise zivilrechtlich Schadenersatz zahlen (weil Ihr Bestes halt nicht gut genug war), aber sie sitzen zumindest nicht im Gefängnis (d.h. Sie können also in Freiheit arbeiten gehen, um Geld zu verdienen, mit dem Sie den Schaden wiedergutmachen.  :-P  ).