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353/16 Arbeitszeit: Der böse Verhinderer?

353/16 Arbeitszeit: Der böse Verhinderer?

by 31. August 2016

Arbeitszeit in er Veranstaltungsbranche… ein belächeltes Hindernis…?! Ich staune immer wieder, wie lax mit diesem Thema umgegangen wird. Neben der Missachtung der roten Ampel durch den Radfahrer dürfte der Arbeitszeitverstoß eines der Vergehen sein, die eher weggelächelt als ernst genommen werden. „Sonst würde das ja gar nicht funktionieren“, höre ich dann häufig. Alles billig und geil, diese Mentalität steckt da sicherlich auch etwas dahinter: Die Show soll gigantisch sein, aber die Ticketpreise möglichst niedrig. Der Kunde soll möglichst wenig zahlen müssen, was ist da schon so ein kleiner Arbeitszeitverstoß? Man mag darüber diskutieren, ob 5 Minuten „drüber“ schlimm sind. Aus 5 Minuten werden aber oft 5 Stunden und mehr.Um das Arbeitszeitmanko zu umgehen, beauftragt man (Schein-)Selbständige. Und wundert sich, wenn die Branche weiter verroht…?

Hier ein paar Grundlagen zur Arbeitszeit – übrigens, Verstöße können auch eine Straftat sein (siehe § 23 ArbZG)!

Arbeitszeit normalerweise: 8 Stunden an 6 Arbeitstagen (Montag bis Samstag) = 48 Stunden.

Arbeitszeit ausnahmsweise: 10 Stunden an 6 Arbeitstagen = 60 Stunden bei entsprechendem Ausgleich.

Im Rahmen eines Tarifvertrages kann es weitere Ausnahmen geben (§ 7 ArbZG).

Nach 10 Stunden pro Arbeitstag ist grundsätzlich Schluss, d.h. die 8 Stunden (normal) bzw. 10 Stunden (Ausnahme) beziehen sich auf einen Arbeitstag. Zum nächsten Arbeitstag muss grundsätzlich eine Ruhezeit von 11 Stunden liegen (§ 11 ArbZG).

Überschreitung in Notfällen

Die „Super“-Ausnahme gibt es in Notfällen (siehe § 14 ArbG):

  • Bei vorübergehenden Arbeiten in Notfällen und in außergewöhnlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten und deren Folgen nicht auf andere Weise zu beseitigen sind, besonders wenn Rohstoffe oder Lebensmittel zu verderben oder Arbeitsergebnisse zu mißlingen drohen; oder
  • eine verhältnismäßig geringe Zahl von Arbeitnehmern wird vorübergehend mit Arbeiten beschäftigt, deren Nichterledigung das Ergebnis der Arbeiten gefährden oder einen unverhältnismäßigen Schaden zur Folge haben würden, soweit dem Arbeitgeber andere Vorkehrungen nicht zugemutet werden können.

In beiden Fällen aber darf dennoch die Arbeitszeit 48 Stunden wöchentlich im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen nicht überschreiten.

Missmanagement kein Argument!

Der „Notstand“ darf nicht durch ein Missmanagement im Personaleinsatz verursacht sein. Spart also der Arbeitgeber am Personal und müssten deshalb die Beschäftigten länger arbeiten, fiele dies nicht unter diese Ausnahme (dies liegt an den Formulierungen „unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten“ und „dem Arbeitgeber andere Vorkehrungen nicht zugemutet werden können“).

Zeit für Veränderung?

Lesen Sie dazu auch meinen folgenden Beitrag:

https://eventfaq.de/37615-veranstaltungssicherheit-als-marktverhalten/

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Frau schaut auf Armbanduhr und schreit: © detailblick - Fotolia.com