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aus dem Eventrecht

Ansprüche gegen den Ticketwiederverkäufer bei Absage

Von Thomas Waetke 20. Juni 2011

Wenn der Ticketwiederverkäufer einem Konzertbesucher ein Ticket verkauft und der Veranstalter später das Konzert absagt, dann kann der Konzertbesucher vom Ticketwiederverkäufer nur den Ticketpreis, nicht aber alle bezahlten Kosten rückerstattet verlangen.

 

Dies hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden.

 

Der Ticketwiederverkäufer (zum Begriff siehe unten) schulde nämlich nicht die Veranstaltung des Konzerts, sondern sei lediglich verpflichtet, dem Erwerber mit der Karte das Eintrittsrecht zu übertragen, so schon die Vorinstanz.

 

Der Konzertbesucher sei nicht gehindert, sich bei Absage des Konzerts direkt an den Veranstalter zu halten, da er mit ihm ja einen Vertrag geschlossen habe:

 

Der Wiederverkäufer verkaufe lediglich das Recht zur Teilnahme an dem Konzert, aber nicht das Konzert selbst. Wenn der Konzertbesucher dieses Recht (= die Eintrittskarte ist das verbriefte Recht auf Einlass) erhalte, dann ergebe sich dadurch ein Anspruch gegenüber dem Veranstalter, das Konzert besuchen zu dürfen.

 

Das Oberlandesgericht hat das Urteil der Vorinstanz nunmehr bestätigt.

 

Der Ticketwiederverkäufer und Konzertbesucher schließen einen Rechtskaufvertrag über das Ticket = über das Recht auf Einlass. Die Konzertkarte muss der Verkäufer übergeben (siehe § 929 BGB). Sobald die Übergabe erfolgt ist, hat der Verkäufer seine Rechtskaufpflicht erfüllt. Wenn nun übrigens auch noch der Konzertbesucher den Kaufpreis zahlt, ist der Vertrag vollständig abgewickelt.

 

Nun kommt es zu einem davon unabhängigen Vertrag zwischen dem Konzertbesucher und dem Veranstalter. Der Veranstalter schuldet nun die Durchführung der Veranstaltung bzw. den Einlass zur Veranstaltung – Vertragspartner ist derjenige, der das Ticket in der Hand hat.

 

Sagt der Veranstalter nun das Konzert ab, ist die vertragliche geschuldete Leistung „Einlass & Durchführung“ unmöglich geworden (siehe § 275 BGB). Er kann vom Veranstalter also zumindest den Ticketpreis zurück verlangen.

 

Der Ticketwiederverkäufer kann dann aber nicht (mehr) in Anspruch genommen werden, da der seine Pflichten ja erfüllt hat (siehe oben). Dass der Ticketwiederverkäufer dann vielleicht einen Gewinn gemacht hat, liegt in der Natur der Sache. Diesen über den eigentlichen Eintrittspreis hinausgehenden Betrag kann der Konzertbesucher aber nicht zurückverlangen.

 

Anders wäre das in diesen zwei Fällen:

  • Der Ticketwiederverkäufer verkauft Tickets auch dann noch weiter, obwohl er schon weiß, dass das Konzert bereits abgesagt ist. Denn dann erbringt er ja seine Leistungspflicht (= Verschaffung des Legitimationspapiers zum Eintritt, da es ja bereits nicht mehr gültig ist).
  • Der Ticketverkäufer ist kein Wiederverkäufer, sondern Stellvertreter des Veranstalters. Denn dann ist der Ticketverkäufer nicht Vertragspartner bzgl. des Ticketkaufs, sondern nur der Veranstalter.

 

 Hinweis 1  Wiederverkäufer in diesem Sinne ist ein Händler, der Eintrittskarten bspw. beim Veranstalter einkauft, um sie dann wieder weiter (im Regelfall nun an den Endkunden) zu verkaufen.

 

 Hinweis 2  Der Veranstalter darf den gewerblichen Wiederverkauf verhindern, in dem er ihn in seinen Kauf-AGB verbietet. Dies hat der Bundesgerichtshof im Zusammenhang mit Fußballbundesliga-Karten entschieden. Wenn der Wiederverkäufer entgegen diesem Verbot Tickets einkauft und dabei seine gewerblichen Wiederverkaufsabsichten verschleiert, handelt er wettbewerbswidrig.