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aus dem Eventrecht

Ansehen wichtiger als Rettung: Krisenkoordinator zu 3 Jahren Haft verurteilt

Von Thomas Waetke 20. Juli 2013

In dem Verfahren um den Schiffsunfall der Costa Concordia mit 31 Toten und 110 Verletzten sind fünf Angestellte der Reederei von einem italienischen Gericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie bekannten sich schuldig, weshalb das Gericht ohne Prozess das Urteil sprach. Verurteilt wurde u.a. der Krisenkoodinator, da ihm das Image der Reederei wichtiger war als die Rettungsaktion, die er denn auch verspätet eingeleitet habe. Er erhielt eine knapp dreijährige Haftstrafe.

Der Kapitän des Schiffes, der angeblich aus Versehen ist ein Rettungsboot gerutscht war und so frühzeitig das sinkende Schiff verließ, ist der letzte noch verbleibende Angeklagte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Diese Verfahren beziehen sich auf die strafrechtliche Verantwortung der mutmaßlichen Täter nach einem Unfall. Hier geht es immer um die persönliche Verantwortung des Einzelnen. Daher kann es auch einfache Mitarbeiter „treffen“, wenn sie durch ein Handeln oder ein Unterlassen zu dem Unfall beigetragen haben.

Am Beispiel des Krisenkoordinators sieht man auch, dass derjenige, der eine exponierte verantwortungsvolle Position einnimmt, auch ein erhöhtes Risiko trägt, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Dies kann im Veranstaltungsbereich insbesondere den Projektleiter, Veranstaltungsleiter, Ordnungsdienstleiter usw. treffen, und zwar neben dem Veranstalter oder dem Betreiber der Versammlungsstätte.

Wie der Wortbestandteil „Leiter“ schon sagt, steckt dahinter auch eine gehörige Portion Verantwortung und Haftung. Wer die Leiter nach oben klettert, kann auch tief fallen…: Je mehr „Leitung“ in einer Aufgabe steckt, je höher der Verdienst als Ausgleich für diese Aufgabe, desto größer ist auch das Haftungspotential.