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aus dem Eventrecht

Andere Länder, …

Von Thomas Waetke 5. Oktober 2010

… andere Sitten: Das Repräsentantenhaus der Philippinen haben ein Gesetz erlassen, nachdem die Nationalhymne künftig in einem gewissen Takt zu singen ist. Und: Wer sich nicht ordentlich Mühe gibt oder falsche Töne anstimmt, muss mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe rechnen. Das Gesetz muss nun noch durch den Senat.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ich möchte die Meldung zum Anlass nehmen, ein immer mal wieder auftauchendes Problem anzusprechen: Was passiert (juristisch), wenn der Künstler falsch singt?

Der Künstler hat einen Vertrag mit dem Veranstalter. Bekanntlich gibt es die rechtlich schwierige Unterscheidung zwischen einem Dienstvertrag (siehe § 611 BGB) einerseits und einem Werkvertrag (siehe § 631 BGB) andererseits. Die Aus- wirkungen hierauf sind durchaus erheblich: Das Dienstvertragsrecht im BGB kennt nämlich keine Gewährleistung, das Werkvertragsrecht hingegen schon.

Eine Lösungsmöglichkeit: Den Vertrag ordentlich formulieren.

Was aber, wenn der Vertrag nichts zu der eben gestellten Frage hergibt (wie so oft)? So schlimm ist das im Ergebnis nicht. Schließlich besteht ein Vertrag nicht nur aus ausdrücklichen Vereinbarungen, sondern auch so genannten „stillschweigende„. Der Veranstalter und der Künstler werden jedenfalls stillschweigend vereinbart haben, was auf der Hand liegt: Der Künstler soll das tun, was er üblicherweise tut – singen, und zwar so, wie er üblicherweise singt. Wenn jemand mehr oder weniger haben will, muss er das auch ausdrücklich vertraglich vereinbaren.

Wenn der Veranstalter also einen Künstler engagiert, der nur „so lala“ singt, dann darf er keine Perfektion verlangen. Auch muss die menschlicherweise unterschiedliche Tagesform berücksichtigt werden, die Tonanlage, die Location usw.

Gleiches gilt nicht nur für die Qualität der Darbietung, sondern auch für die Quantität bzw. den Inhalt der Show: Der Künstler muss die Show mindestens so aufführen, wie er es üblicherweise macht. Dauert die Show üblicherweise 45 Minuten, darf er die Bühne nicht schon nach 3 Minuten wieder verlassen und sich auf seine künstlerische Freiheit berufen.