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aus dem Eventrecht

Achterbahn knallt gegen Baukran

Von Thomas Waetke 24. Oktober 2010

Im Wiener Prater ist ein Waggon einer Achterbahn gegen einen Baukran geprallt, von dem aus ein Mitarbeiter die Achterbahn anstreichen wollte.

Der Mitarbeiter wurde aus der Hebebühne geschleudert und stürtzte 8 Meter in die Tiefe. In dem Waggon saßen zwei Besucherinnen, von denen eine schwer verletzt wurde. Die beiden Verletzten wurden mit Rettungshubschraubern in die Klinik transportiert. Der Mitarbeiter schwebte am Wochenende noch in Lebensgefahr.

Der Unfall beruht offenbar auf menschlichem Versagen: Ein Mitarbeiter des Fahrgeschäfts dachte, dass die Streicharbeten bereits beendet seien, als er die Achterbahn wieder startete.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Unterstellt, die Rechtsfragen würden sich nach deutschem Recht richten (und nicht nach dem österreichischen), könnte folgendes passieren:

1. Strafrecht

Der Mitarbeiter, der die Achterbahn ohne Prüfung gestartet hat, könnte fahrlässig gehandelt haben. Hier wären die genauen Umstände zu prüfen, warum er dachte, er könne die Achterbahn gefahrlos starten. Gab es einen Zeitplan? Gab es Funksprüche oder Telefonate? Gabe es falsche Informationen von anderen Mitarbeitern?

In Betracht kommt fahrlässige Körperverletzung und ggf. eine fahrlässige Tötung, wenn der Anstreicher den Unfall nicht überleben würde. Das Ermittlungsverfahren richtet sich gegen diesen Mitarbeiter persönlich, ggf. noch gegen weitere Verantwortliche der Organisationskette.

So könnte sich das Verfahren auch zusätzlich gegen den Betreiber des Fahrgeschäfts richten, wenn er nicht die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen hätte.

Schließlich kommt auch der Arbeitgeber des verletzen Anstreichers in Betracht: Er hätte sich im Vorfeld bspw. mit dem Betreiber der Achterbahn abstimmen und klären müssen, welche Maßnahmen getroffen werden können, um solch ein Missverständnis auszuschließen.

2. Zivilrecht

Schadenersatzforderungen und Schmerzensgeldforderungen können sich ebenfalls zivilrechtlich gegen die oben genannten Verantwortlichen richten. Die Verletzten könnten alle Verantwortlichen zusammen in Anspruch nehmen bzw. sich den heraussuchen, der über das meiste Geld verfügt um den Schaden bezahlen zu können, sie können aber unter dem Strich die Forderung nur einmal bekommen.

Eine arbeitsrechtliche Besonderheit gibt es, wenn die Verletzten den Mitarbeiter in Anspruch nehmen würden, der die Achterbahn losgeschickt hat. Unterstellt, er wäre tatsächlich zum Schadenersatz verpflichtet, so kommt ihm als Arbeitnehmer das so genannte Drei-Stufen-Haftungsmodell zu Gute:

  1. Wenn er vorsätzlich gehandelt hätte, müsste er den Schaden voll zahlen bzw. könnte nichts von seinem Arbeitgeber zurückverlangen.
  2. Wenn er aber nur leicht fahrlässig gehandelt hätte, so könnte er von seinem Arbeitgeber verlangen, dass der die zivilrechtlichen Forderungen voll übernimmt (das hat nichts mit dem Strafrecht zu tun! Dort haftet der Handelnde immer selbst, auch als Arbeitnehmer).
  3. Wenn das Verschulden des Mitarbeiters dazwischen liegt, wird auch eine Haftungsquote gebildet: Je näher das Verschulden am Vorsatz liegt, desto eher geht die Quote gegen die 100%.

3. Arbeitsschutzrecht

Der Arbeitgeber ist für den Arbeitsschutz verantwortlich: Stellt sich also heraus, dass der Unfall mit Blick auf den Anstreicher aufgrund von Verstößen gegen das Arbeitsschutzrecht verursacht wurde, so haftet der Arbeitgeber auch aus dem Arbeitsrecht: Entweder kann dies eine Ordnungswidrigkeit sein, oder sogar eine Straftat.