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aus dem Eventrecht

Absturz in Kletterhalle

Von Thomas Waetke 14. Oktober 2010

In einer Düsseldorfer Kletterhalle ist ein erwachsener Betreuer einer Kindergruppe aus einer Höhe von 10 Metern abgestürzt. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in eine Klinik eingeliefert und ist zwischenzeitlich außer Lebensgefahr. Pressemeldungen zufolge wird nun gegen Verantwortliche der Kletterhalle wegen fahrlässiger Körperverletzung (vgl. § 229 Strafgesetzbuch) ermittelt, da offenbar Sicherheitsvorkehrungen missachtet wurden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Es ist zwischen dem Strafrecht einerseits und dem Zivilrecht andererseits zu unterscheiden:

  • Strafrecht: Das Strafrecht beinhaltet eine Vielzahl von Straftatbeständen; diese sagen, welches Verhalten nicht erlaubt ist und bestraft wird. Verstöße werden durch den Staat bzw. das jeweilige Bundesland verfolgt: Die Staatsanwaltschaft ist der Vertreter von Bund bzw. Land und klagt den vermeintlichen Täter an. Das Strafrecht richtet sich gegen den Täter persönlich – ihm hilft dann keine Versicherung und keine GmbH oder andere Gesellschaftsform, hinter der er sich verstecken könnte.
  • Zivilrecht: Im Zivilrecht streiten sich zwei Parteien bspw. um Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Im oben geschilderten Fall kann daher folgendes passieren:

  • Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen den Betreiber und Angestellte der Kletterhalle wegen fahrlässiger Körperverletzung. Maßgeblich ist dabei das subjektive Fehlverhalten der einzelnen Beteiligten.
  • Der Verletzte kann (theoretisch unabhängig vom Ausgang des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens) Schadenersatz und Schmerzensgeld ebenfalls vom Betreiber und Verantwortliche der Kletterhalle verlangen. Im Zivilrecht kommt es allerdings – anders als im Strafrecht – nicht auf die subjektive Fähigkeit und das subjektive Wissen des Verantwortlichen an, sondern auf einen objektiven Maßstab (vgl. § 276 Absatz 2 BGB): Maßstab im Zivilrecht ist also das, was objektiv erforderlich ist; wie würde sich ein durchschnittlich vernünftiger Teilnehmer aus der selben Gruppe des Handelnden (hier: Kletterhallenbetreiber) getan haben, um den Schaden zu vermeiden?

Grundsätzlich kann allerdings immer ein so genanntes Mitverschulden (§ 254 BGB) in Betracht kommen. Wenn also der Geschädigte nicht ganz unbeteiligt bzw. „unschuldig“ an dem eigenen Schaden ist, muss er sich seinen Schuldanteil anrechnen lassen.