News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Absperrgitter in Fußballstadion bricht ein

Von Thomas Waetke 2. Februar 2013

Bei einem Fußballspiel im brasilianischen Porto Alegre sind am Freitag 8 Zuschauer verletzt worden, als ein Absperrgitter nachgab und die Zuschauer 3 Meter tief von der Tribüne stürzten.

Zuvor hatten die Verletzten bei einer „Lawine“ mitgemacht, bei der die Fans von den oberen Tribünenrängen nach unten rennen. Angesichts eines bevorstehenden Testspiels zwischen Brasilien und Frankreich im Vorfeld der Weltmeisterschaften 2014 bemüht man sich um Fassung: Zwar ist das Stadion kein WM-Stadion, allerdings sorgt man sich um die „Lawine“ und die Fans, die in ihrer Euphorie die Gefahren nicht mehr erkennen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei Musikveranstaltungen kommt es auch immer mal wieder zu der „Wall of Death“: Oftmals auf ein Zeichen der Band laufen die Fans zunächst auseinander, um dann in zwei großen Gruppen wieder aufeinander zuzurennen. Dass hierbei Verletzungen nicht außen vor bleiben, ist nachvollziehbar. Bei einem Festival 2005 in Herne war ein 26-Jähriger bei einer Wall of Death nach inneren Verletzungen verstorben.

By the way: Was macht eigentlich der Fan, der das Zeichen nicht kennt, sich zuerst wundert, wohin alle gehen und sich dann wundert, warum alle grölend auf ihn zurennen, bis er mit dem Gefühl zweier Dampflokomotiven die Bedeutung der Wall of Death eingehämmert bekommt?

Das Oberlandesgericht Hamm hatte 2001 die Klage einer verletzten Besucherin abgewiesen, die von einem anderen Fan verletzt wurde, der sich beim stagediving versucht hatte. Das Argument: Wer sich auf einem Rockkonzert in die dritte Reihe stelle, muss damit rechnen, dass es dort etwas „robuster“ zur Sache ginge. Nach Auffassung des Landgerichts hatte den Veranstalter deswegen kein Verschulden getroffen.

Lesen Sie dazu unseren Beitrag Beim stagediving wohl zu tief getaucht.

Nun ja, das mag ja sein: Natürlich weiß man das; aber muss ich denn gleich damit rechnen, dass mir jemand ins Gesicht springt? Und: Selbst wenn ich ausweichen wollte, wohin denn, wenn alles gedrängt voll ist? Der Besucher könnte ja dem springenden Fan nicht einmal ausweichen.

Natürlich kann der Verletzte den Täter in Anspruch nehmen, wobei das meist daran scheitert, dass man den Täter nicht ausfindig machen kann.

Im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht wird man aber vom Veranstalter durchaus verlangen können, dass er stagediving oder die Wall of Death verhindert. Das gilt umso mehr, wenn er weiß, dass die Band solcherlei Aktionen plant.

Zurück zu dem eingestürzten Absperrgitter:

Aus baurechtlicher Sicht kann der Betreiber der Versammlungsstätte verantwortlich gemacht werden, wenn sich herausstellt, dass das Gitter nicht den Vorschriften entsprochen hätte. Wenn allerdings Zuschauer ordnungswidrig gegen das Gitter drücken, dann würde man ihnen zumindest auch eine Teilschuld geben, wenn sie sich dadurch verletzen. Der Betreiber muss Gitter einsetzen, die dem „normalen“ Druck standhalten und dem Stand der Technik entsprechen. Ginge der Druck durch eine von den Fans verursachten „Lawine“ darüber hinaus und wäre dies ursächlich für den Einsturz, dann würde der Betreiber nicht haften: Er muss keine Vorkehrungen treffen, um Fans vor deren eigenem Verhalten zu schützen, das Sicherheitseinrichtungen über die Maßen hinaus belastet.

Fraglich könnte dann nur sein, ob der Betreiber nicht die Lawine als solche hätte verhindern können und müssen, gerade (wie in Brasilien) die Lawine zu den traditionellen Fangebräuchen zählt. Dann könnte man ggf. verlangen, dass er Abschrankungen in die Tribünen einzieht, damit die LAwine schon gar nicht erst entstehen kann.

Dementsprechend sieht die MVStättV in § 28 vor, dass alle 5 Stufen mit Stehplätzen ein Wellenbrecher installiert werden muss.