News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Absicherung einer Radtour

Von Thomas Waetke 18. März 2014

Ein Verein hatte eine Radtour organisiert, an der auch ein damals 20-jähriger teilgenommen hatte, der im Laufe der Tour verletzt wurde. Er hatte unterwegs eine Panne, die Gruppe war weitergefahren – und dann geriet er in einen Unfall. Hat er Ansprüche gegen den Veranstalter der Radtour?

Mit dieser Frage hatte sich nun das Oberlandesgericht Hamm auseinandergesetzt. Die Radtour wurde von Sicherungsposten begleitet, die an Straßenkreuzungen den Verkehr aufgehalten hatten, so dass die Gruppe gefahrlos die Kreuzungen hatte passieren können.

Als der 20-Jährige die Panne mit seinem Rad hatte, fuhr die Gruppe weiter. Als er beim Hinterherfahren von einem Feldweg über eine Straße fahren wollte, wurde er von einem Auto erfasst und so schwer verletzt, dass er bis heute im Koma liegt.

Es stellte sich nun die Frage, ob der Verein Sicherungsmaßnahmen für den Nachzügler hätte treffen müssen. Dies lehnte das Gericht nun ab: Der Nachzügler hätte nicht erwarten können, dass der Verein Sicherheitsmaßnahmen für ihn auf der weiteren Strecke trifft, so lange er alleine hinterher fährt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke

Der Verein ist grundsätzlich für die Gruppe verkehrssicherungspflichtig. In dem Fall stellte sich aber die Frage, ob dies auch für denjenigen gilt, der die Gruppe verlassen hat.

Bei Verkehrssicherungspflichten muss aber nicht nur der Verkehrssicherungspflichtige „arbeiten“: Auch der Betroffene bzw. hier der Teilnehmer muss etwas tun: Das Gericht prüft nämlich auch, ob ein durchschnittlicher Teilnehmer überhaupt erwarten durfte, dass der Veranstalter Sicherheitsmaßnahmen treffen würde. Wenn der Durchschnitt diese nicht erwartet, muss man selbst für seine Sicherheit sorgen.

So war das hier: Das Gericht ging davon aus, dass der durchschnittliche Teilnehmer (der damals immerhin 20 Jahre alt war) nicht damit rechnen durfte, dass der Verein für ihn als Nachzügler besondere Sicherheitsmaßnahmen beim Überqueren einer Straße treffen würde. Daher war er an dem Unfall auch alleine schuld (ggf. noch der Autofahrer), aber nicht der Verein.

Das wäre anders, wenn der Teilnehmer minderjährig gewesen wäre: Je jünger der Teilnehmer, desto mehr muss sich der Veranstalter um ihn kümmern, weil ein bspw. 10-jähriger Teilnehmer durchaus erwarten darf, dass man auf ihn aufpasst.

Das wäre auch anders, wenn es sich nicht um eine Radtour, sondern um eine Bergtour handeln würde: Hier dürfte der Veranstalter mit der Gruppe nicht einfach weiterziehen, wenn ein Teilnehmer zurückbleibt und er aufgrund der widrigeren Bedingungen im Gebirge gefährdet wäre.