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80/11 Schwachstelle Mensch

Von Thomas Waetke 21. März 2011

Wie man soeben aus Japan hören muss, haben die Betreiber der Atomanlagen bei den Wartungsarbeiten geschlampt, bzw. diese erst gar nicht durchgeführt. Es ist wie so oft: Das beste Konzept muss nicht nur erst einmal gefunden, sondern dann auch noch korrekt umgesetzt werden.

Manchmal fordert die Genehmigungsbehörde vom Veranstalter ein Sicherheitskonzept. Auch § 43 MVStättV (bzw. die jeweiligen Landes-Verordnungen) verlangen ein Sicherheitskonzept, allerdings vom Betreiber, und zwar

  • wenn es „die Art der Veranstaltung“ erfordert (§ 43 Abs. 1), oder
  • jedenfalls ab 5.000 Besucherplätzen in der Versammlungsstätte (§ 43 Abs. 2).

Auch hier gilt: Ein funktionierendes Sicherheitskonzept muss zunächst einmal erstellt werden. Hierfür sind Erfahrung und Fachwissen erforderlich. Und: Irgendwer muss das auch bezahlen. Wer nur wenig Geld ausgibt, bekommt auch nur wenig.

Wenn einmal das Sicherheitskonzept steht, dann muss es auch umgesetzt werden. Und hier kommen nun viele Menschen ins Spiel: Betreiber, Veranstalter, Projektleiter, Ordnungsdienstleiter, Bereichsleiter, und jede Menge Mitarbeiter. Jeder einzelne ist ein wichtiger Baustein eines jeden Sicherheitskonzepts. Fehlt er oder funktioniert er nicht, kann das Sicherheitskonzept nicht mehr zu 100% funktionieren – es sei denn, der Ersteller des Konzepts hat das bedacht und hiergegen Vorsichtsmaßnahmen getroffen (z.B. doppelte Besetzung einer Position).

Letztlich unterliegt der Veranstalter gewissen wirtschaftlichen – aber auch gesellschaftlichen – Zwängen: Alles soll so günstig wie möglich sein, alle wollen so wenig wie möglich gestört werden. Gepaart mit mangelnder (ggf. schlechter) Erfahrung führt das dann bspw. dazu, dass…

  • der Sicherheitsdienst und Sanitätsdienst erst 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn bestellt oder eingecheckt wird und damit keine Zeit mehr besteht, dass sich die Mitarbeiter die Location in Ruhe anschauen können;
  • die eigenen Mitarbeiter vor lauter Hektik kurz vor Veranstaltungsbeginn vermeintlich Besseres zu tun haben, als sich nochmals mit Blick auf die Veranstaltungssicherheit zu besprechen und auf den aktuellen Stand zu bringen;
  • ortsfremde Dienstleister zumeist ohnehin kein Interesse haben, sich die fremde Location anzuschauen (Vorsicht Arbeitgeber: § 8 Abs 1 Arbeits- schutzgesetz verlangt eine Koordinierung! Und § 8 Abs. 2 verlangt vom ansässigen Arbeitgeber, dass er sich vergewissert (!), dass die fremden Arbeitnehmer arbeitsschutzbezogene Weisungen erhalten haben).

Beachten Sie: Wo kein Kläger, da kein Richter… so lange nichts passiert… Nur: Wenn es einmal zu einem Unfall kommt, dann ist es eben zu spät. Unterschätzen Sie nicht Ihre persönliche Haftung:

  • Möglicherweise kann der Arbeitgeber Schadenersatz von Ihnen verlangen, wenn Sie einen Fehler gemacht haben und der Arbeitgeber dafür hatte bezahlen müssen (siehe in den FAQ zum Thema Mitarbeiter/Arbeitsrecht “Was passiert, wenn der Arbeitnehmer einen Schaden verursacht?”).
  • Wenn Sie als Einzelunternehmer auftreten, haften Sie ohnehin mit Ihrem Privatvermögen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.
  • Wenn Ihre Handlung strafrechtlich relevant ist (z.B. da durch Ihr Fehlverhalten ein Mensch verletzt wurde), dann müssen Sie persönlich mit einer Strafverfolgung rechnen – da hilft keine GmbH und keine Versicherung.