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75/17 YouTube-Star sorgt für Aufruhr und wird verhaftet

75/17 YouTube-Star sorgt für Aufruhr und wird verhaftet

by 29. März 2017

Das Auftauchen eines YouTube-Stars hat am Samstag in Augsburg (Bayern) für einen Aufruhr gesorgt. Nachdem der 24-Jährige in den Sozialen Medien sein Erscheinen ankündigte, dabei aber nicht verriet, wo genau er sein würde, versammelten sich ca. 1000 Kinder und Jugendliche vor einem Hotel, in dem sie ihren Star vermutet hatten. Der Hotelbesitzer alarmierte die Polizei, nachdem die Meute gegen die Fensterscheiben hämmerte und drückte, die dann auch mit mehreren Streifenwagen anrückte. Der YouTuber verließ das Hotel mit seinem Tour-Bus; dabei soll der Bus mit überhöhter Geschwindigkeit und angeklebtem Nummernschild losgefahren sein. Die Polizei, die weiteren Aufruhr vermeiden wollte, nahm den 24-Jährigen schließlich mit auf die Dienststelle. Nachdem er dort offenbar ausfällig wurde, hat er nun u.a. eine Anzeige wegen Beleidigung am Hals. Etwas spöttisch kommentierte die Augsburger Polizei ihren Einsatz mit der Bemerkung, dass der Künstler nun seine Anschlussveranstaltung in München zeitlich nicht mehr erreichen würde können.

Solcherlei Geschichten sind nicht neu und passieren immer wieder. Dabei stellen sich diverse Rechtsfragen, z.B.:

Veranstalter? Veranstaltung?

Fraglich ist zunächst, ob das „Happening“ oder wie auch immer man das nennen mag, eine Veranstaltung ist für die es auch einen (verantwortlichen) Veranstalter gibt.

Grundsätzlich sind zufällige, unorganisierte Zusammentreffen mehrerer Menschen zunächst einmal keine Veranstaltung.

Auch derjenige, der lediglich Randbereiche „organisiert“ ist nicht automatisch Veranstalter. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte einmal über die Veranstaltereigenschaft einer Person zu entscheiden, die lediglich während der Veranstaltung aktiv war:

„Veranstalter … ist nur derjenige, der die Veranstaltung vorbereitet, organisiert oder eigenverantwortlich ins Werk setzt, der geistige und praktische Urheber, der Planer und Veranlasser. Tätigkeiten ausschließlich im Stadium der Durchführung können jedenfalls nicht genügen.“

Handelt es sich bei dem Vorfall in Augsburg um eine „Veranstaltung“? Ein Prominenter kündigt öffentlich an, wann er wo (wenn auch ungenau) sein werde. Sein Ziel: Seine Fans sollen erscheinen, andernfalls würde er es ja nicht kommunizieren. Allerdings schafft er (jedenfalls formal) nicht den Rahmen, es gibt keine sichtbare „Veranstaltung“ – das Ziel ist ein Menschenauflauf. Meines Erachtens entspricht das aber dem klassischen Begriff einer „Veranstaltung“ zumindest insoweit, dass derjenige, der dazu aufruft, als Veranstalter verantwortlich sein kann.

Vergleich: Flashmobs

Fast schon etwas aus der Mode gekommen sind die Flashmobs, mit denen irgendwer in vermeintlicher Spontanität auf irgendetwas aufmerksam machen wollte. Gerade im Bereich der Werbung war bzw. ist der Flashmob ein Mittel, um sich zu präsentieren.

Ähnlich wie der Flashmob sind aber grundsätzlich auch gezielt gewollte bzw. erwünschte Menschenaufläufe eine Sondernutzung der Straße, d.h. es kann eine Sondernutzungsgenehmigung notwendig sein.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Polizeifahrzeuge: © schulzfoto - Fotolia.com