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Das Foto im Vortrag

Das Foto im Vortrag

by 8. Juli 2019

Ein alltäglicher Vorgang: Auf einer Tagung oder einem Kongress hält ein Referent einen Vortrag. Wie üblich verwendet der Referent Präsentationsfolien. Damit die Zuhörer nicht nur Texte lesen müssen, fügt der Referent auch Fotos, Skizzen, Videosequenzen usw. in seine Folien ein.

Ich habe es selbst bei meinen Vorträgen selten erlebt, dass Referenten, die bspw. Fotos eingefügt haben, eine ordnungsgemäße Urheberkennzeichnung vorgenommen hatten.

Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist (§ 13 UrhG).“

Der Hintergrund ist einfach: Urheber verdienen ihr Geld nicht mit körperlichen Sachen oder Leistungen, sondern mit ihrer Kreativität. Ein Foto, das der Referent bspw. im Internet findet, ist eine digitale Vervielfältigung der Kreativität des Urhebers: Bei Rechtsverletzungen zu Lasten von Urhebern verteidigen sich die Verletzer oftmals damit, sie hätten dem Urheber ja nichts weggenommen. Doch: Der Urheber kann kein Geld mit seinem Werk verdienen, wenn niemand weiß, dass es von ihm kommt. Wenn aber neben dem Foto sein Name steht, kann derjenige, dem das Foto gefällt, sich an den Urheber wenden und eine weitere Lizenz kaufen. Unterlässt der Referent aber die Urheberkennzeichnung, kann der Urheber auch kein Geld mit seinem Werk verdienen. Insoweit wird also sehr wohl etwas „weggenommen“.

Gefährlich kann es für den Veranstalter werden, der nach dem Vortrag die Folien des Referenten auf seine Webseite hochlädt. Denn wenn nun in den Folien ein Foto enthalten ist, das Rechte des Urhebers verletzt, dann gibt es zwei mögliche Rechtsverletzer:

  • Einmal der Referent, der ggf. schon kein Recht hatte, das Foto in seinen Vortrag einzufügen;
  • dann der Veranstalter, der die Folien mit der Rechtsverletzung auf seine Webseite hochgeladen hat und damit auch eine Rechtsverletzung begeht. Er kann sich vor allem nicht darauf berufen, er hätte dem Referenten vertrauen dürfen: Es gibt keinen gutgläubigen Erwerb von Rechten.

Es gibt nur wenige Konstellationen, in denen es keine Rechtsverletzung wäre:

1.) Private Veranstaltung

Die Veranstaltung, auf der das Foto gezeigt wird, ist privat.

Achtung: Nur weil der Veranstalter die Veranstaltung als „geschlossen“ bezeichnet, ist sie noch lange nicht privat.

Selbst wenn aber der Vortrag als solches in einer privaten Veranstaltung stattgefunden hätte: Sobald der Veranstalter die Folien ins Internet stellt, wäre das ab diesem Zeitpunkt eine öffentliche Verwertung (jetzt nicht mehr durch den Referenten, sondern durch den Veranstalter).

2.) Lizenzvertrag

Der Referent hat das Foto rechtmäßig vom Urheber oder vom Rechteinhaber (z.B. einer Bildagentur) erworben.

Aber Achtung:

Der Referent muss die richtigen Rechte erworben haben:

  • Dazu gehört im Regelfall das sog. Vervielfältigungsrecht (§ 16 UrhG), denn er kopiert das Foto ja in seine Folie.
  • Er braucht auch das sog. Verbreitungsrecht (§ 17 UrhG), wenn die Folien in Papierform ausgedruckt und an die Zuhörer verteilt werden.
  • Schließlich braucht er auch das sog. Vorführungsrecht (§ 19 Absatz 4 UrhG), weil er das Foto auf einem Vortrag öffentlich macht.

Der Veranstalter, der die Folien mit dem Foto ins Internet stellt, benötigt dafür insbesondere das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung im Internet (§ 19a UrhG).

Wenn der Veranstalter sich das Recht nicht selbst beim Urheber bzw. Rechteinhaber beschafft, sondern über den Referenten, dann muss der Referent aber auch die Erlaubnis haben, selbst die notwendigen Rechte an Dritte (hier an den Veranstalter) weiter zu lizenzieren (§ 34 UrhG). D.h. nur weil der Referent bei einer Bildagentur auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung im Internet erworben hat, darf er dies nicht automatisch an den Veranstalter weiter übertragen. Dafür braucht er grundsätzlich die Zustimmung des Urhebers bzw. Rechteinhabers.

3.) Beiwerk

Denkbar ist, dass das Foto lediglich ein sog. Beiwerk (§ 57 UrhG) in dem Vortrag ist. Dann aber muss das Foto quasi austauschbar, belanglos und für den Vortrag bzw. einzelne Folien selbst eigentlich irrelevant sein.

Bei einem Vortrag wird es aber kaum wirklich möglich sein, zu erklären, warum man das Foto sonst in eine Folie eingefügt hätte, wenn nicht zu einem bestimmten Zweck: Sei es zur Illustration oder zur Aufhübschung. Praktisch wird ein Foto nur in den seltensten Fällen ein Beiwerk eines Vortrages bzw. einer Folie sein können.

4.) Zitat

Realistischer ist, dass der Referent ein fremdes Foto in seinem Vortrag „zitiert“, er sich also auf das Zitatrecht stützt (§ 51 UrhG) und damit keine Zustimmung für die Verwertung braucht.

Dafür aber müsste sich der Referent mit dem Foto inhaltlich auseinandersetzen. Dient das Foto also eher nur der Aufhübschung oder der Illustration, kann er sich nicht auf das Zitatrecht berufen. Geht er aber auf die Inhalte des Fotos ein und dient das Foto damit der Erläuterung seines Vortrages, dann ist ein Zitatrecht denkbar.

Aber 1: Er benötigt jetzt zwar keine Zustimmung des Urhebers, er muss ihn aber immer noch als Urheber nennen.

Aber 2: Stellt der Veranstalter die Folien online, dann fehlt typischerweise die verbale Auseinandersetzung des Referenten mit dem Foto innerhalb des Vortrages. Dann darf sich aber der Veranstalter nicht auf das Zitatrecht berufen. Das wäre nur denkbar, wenn der Veranstalter bspw. ein Video online stellt, auf dem der Referent mit seiner Auseinandersetzung zum Foto auch zu hören ist, oder wenn die Auseinandersetzung in den Folien verschriftlicht ist.

Die Rechtsfolgen:

Verletzen der Referent und/oder der Veranstalter auch nur ein Recht des Urhebers, dann kann der diese Rechtsverletzung(en) abmahnen. Er kann Beseitigung und Unterlassung verlangen, aber auch Schadenersatz (Anwaltskosten und Lizenzkosten). Bei wertvollen Fotos kann das schnell teuer werden, gerade wenn das Foto über einen längeren Zeitraum online war. Ansonsten darf man aber auch den Unterlassungsanspruch nicht unterschätzen: Denn wenn bspw. der Veranstalter eine Unterlassungserklärung abgibt, muss er sicherstellen, dass nicht irgendwann irgendein Mitarbeiter dasselbe Foto versehentlich wieder verwendet: Denn dann muss er eine oftmals empfindlich teure Vertragsstrafe bezahlen.

Sollten Sie eine Abmahnung erhalten, nehmen Sie diese bitte nicht auf die leichte Schulter! Ich habe schon oft erlebt, dass Mandanten die Abmahnung entweder ignoriert oder selbst die Unterlassungserklärung formuliert hatten – um hinterher unnötige Probleme zu bekommen: Bspw. flattert dann eine Einstweilige Verfügung nebst Kostennote ins Haus, oder der Abgemahnte löscht panisch die Fundstelle, und man kann später nicht mehr nachvollziehen, ob und wie das Foto denn nun eingefügt gewesen war…

Sie haben eine Abmahnung bekommen? Sie wollen einen Rechtsverletzer abmahnen? Sie wollen mit dem Urheber einen Lizenzvertrag schließen?

Wir unterstützen Sie gerne mit unserer Kompetenz im Urheberrecht! Schicken Sie eine E-Mail an info@eventfaq.de oder rufen Sie einfach an unter 0721-1205060.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):