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472/16 Allergien: Gewitter fordert Pollen-Tote

472/16 Allergien: Gewitter fordert Pollen-Tote

by 20. Dezember 2016

Ein Unwetter hat in Australien zu mindestens sechs Todesopfern und hunderten Verletzten geführt, als durch einen Sturm Pollen aufgewirbelt wurden und platzten. Auch in Deutschland führen Pollen und allergieauslösende Mittel oft zu der Frage: Ist ein Veranstalter verantwortlich?

Das wäre jedenfalls dann so, wenn es hierzu eine sog. Verkehrssicherungspflicht gäbe: Müsste der Veranstalter das Notwendige und Zumutbare tun, um Schäden durch Unwetter zu vermeiden? Und würde dies ein durchschnittlich verständiger Besucher auch erwarten? Sprich: Erwartet ein durchschnittlich verständiger Besucher (auch wenn er Pollenallergiker ist), dass ein Veranstalter Maßnahmen gegen Pollenflug oder allergieauslösende Vorgänge trifft?

Sicherlich ist das zu weitgehend, wenn die Veranstaltung ganz normal im Freien stattfindet.

Anders kann es sein bei Lebensmitteln, die beim Catering angeboten werden. Hier können lebensmittelrechtliche Vorschriften ohnehin vorgeben, dass Allergene usw. auszuzeichnen sind.

Bei Tagungen oder Incentives fragen Veranstalter oftmals bei der Anmeldung Allergien ab. Dies kann zwei Gründe haben:

  • Man möchte vorbereitet sein und über das notwendige Wissen verfügen, wenn ein Teilnehmer vor Ort einen Allergieschock erleidet.
  • Man möchte den Service bieten, dass auch entsprechend aufbereitetes Essen angeboten wird.

Beides sind hehre Ziele, aber m.E. nicht notwendige Pflichten des Veranstalters:

Möchte man auf einen Vorfall vorbereitet sein, müsste man jegliche Krankheiten abfragen. Das ist sicherlich rechtlich zulässig, datenschutzrechtlich „interessant“, aber eben sicherlich auch keine rechtlich unbedingt notwendige Maßnahme. Wer aber freiwillig hier auf Nummer sicher gehen möchte, kann dies – unter Wahrung datenschutzrechtlicher Belange – auch tun.

Kritischer sehe ich das beim Service mit Blick auf das Essen. Denn nun übernimmt auch der Veranstalter eine zusätzliche Verantwortung – bspw. für den Fall, dass er Angaben seiner Teilnehmer verwechselt und fehlerhaft an das Cateringunternehmen weitergibt oder dass das Cateringunternehmen einen Fehler macht. Denn wenn Allergien schon abgefragt werden, könnte sich der allergiegeplagte Teilnehmer wohl darauf verlassen dürfen, dass sein Essen entsprechend aufbereitet ist. Andernfalls wird man von ihm erwarten dürfen, dass er von sich aus bei der Küche Bescheid gibt und jedenfalls bis dahin ein eigenes Lebensrisiko trägt.

Natürlich gilt auch hier: Auch diese Verantwortung kann ein Veranstalter natürlich freiwillig übernehmen. Er muss eben nur wissen, dass er (bzw. auch die einzelnen Mitarbeiter) eine zusätzliche Verantwortung trägt.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Unwetter: © swa182 - Fotolia.com