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383/16 Fußball: Krawallmacher machen sich schadenersatzpflichtig

383/16 Fußball: Krawallmacher machen sich schadenersatzpflichtig

by 22. September 2016

Krawallmacher machen nicht nur Krawall, sondern können sich auch schadenersatzpflichtig machen. Der Bundesgerichtshof hat heute in einer Grundsatzentscheidung festgestellt, dass ein Sportverein, der eine Verbandsstrafe aufgebrummt bekommt, weil ein Besucher Krawall gemacht hat, diese von dem Besucher erstattet verlangen kann.

Konkret ging es um einen Böllerwurf eines Fußball-„Fans“, der damit 7 Personen verletzt hatte. Das DFB-Sportgericht hat den Fußballverein gemäß seinen Statuten zur Zahlung einer Verbandsstrafe verurteilt, die der Verein auch bezahlt hat.

Der Verein wollte sich nun aber dieses Geld vom Böllerwerfer zurückholen. Oftmals kann ein Täter nicht ermittelt werden, hier aber wurde der Werfer von umstehenden Zuschauern festgehalten, bis er von der Polizei festgenommen werden konnte.

Das Landgericht Köln verurteilte den Täter denn auch zum Schadenersatz: Aus der Rücksichtnahmepflicht, die aus dem Besuchervertrag zwischen Besucher und Sportverein resultiere, ergebe sich, dass er keine Handlungen vornehmen dürfe, die den Verein schädigen. Daher müsse er die Verbandsstrafe erstatten.

Genau das Gegenteil stellten die Richter am Oberlandesgericht Köln im Berufungsverfahren fest: Er müsse nicht bezahlen, da es am sog. Zurechnungszusammenhang fehle; die Statuten des DFB, die sich gegen die Maßnahmen des Vereins zur Verhinderung von gefährlichen Handlungen richten, gehören nach Auffassung des OLG Köln nicht zum sog. Schutzbereich der Norm, d.h. die Rechtsgrundlagen des Schadenersatzrechts (§ 280 BGB für das Vertragsrecht und § 823 BGB für das Recht der unerlaubten Handlung) würden sich nicht darauf erstrecken, dass der Besucher auch die Verbandsstrafen bezahlen müssen – schließlich habe sich der Verein mit seiner Mitgliedschaft im DFB freiwillig dazu verpflichtet, sich an die Statuten zu halten.

Heute entschied nun der Bundesgerichtshof diese nicht nur für Fußballvereine wichtige Frage:

Der Zuschauer eines Fußballspiels hat die Pflicht, die Durchführung des Spiels nicht zu stören. Verstößt er hiergegen durch das Zünden eines Böllers, muss er die daraus folgenden Schäden erstatten. Auch die DFB-Regeln dienen wie die Pflichten aus dem Zuschauervertrag der Verhinderung von Spielstörungen.

Erhält also der Verein aufgrund des vertragswidrigen Verhaltens des Zuschauers eine Strafe durch den Verband, muss der Zuschauer diese Strafzahlung ersetzen.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Silvesterböller: © skatzenberger - Fotolia.com