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380/11 Event abgesagt wegen zu vielen Rollstuhlfahrern

Von Thomas Waetke 14. Oktober 2011

Der Bundestag hatte Anfang Dezember zu einer Veranstaltung geladen, bei der behindertenpolitische Themen besprochen werden sollten. Dazu eingeladen wurden auch 300 Behinderte.

Nun hat der Bundestag diese 300 Behinderte wieder ausgeladen und die Veranstaltung abgesagt. Der Grund: Es haben sich erheblich mehr Rollstuhlfahrer angemeldet als erwartet. Daher könne die Sicherheit im Falle eines Notfalls nicht mehr gewährleistet werden. Die Veranstaltung soll nun in einem Jahr unter anderen Voraussetzungen nachgeholt werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Natürlich ist die Sache etwas peinlich, da man sich das auch hätte vorher überlegen können. Aber unter dem Strich ist die Überlegung natürlich richtig und wichtig: Wie können die 100 Rollstuhlfahrer bspw. in einem Brandfall evakuiert werden? Fahrstühle dürfen dann nicht mehr genutzt werden, und Treppe laufen geht ja schlecht.

Auch die Versammlungsstättenverordnung sieht dazu keine Lösung oder Pflicht vor; lediglich die Anzahl von Besucherplätzen und Parkplätzen für Behinderte ist dort geregelt, nicht aber der barrierefreie Fluchtweg aus oberen Stockwerken.

Und natürlich haben sich Betreiber und Veranstalter im Vorfeld über die Evakuierung von Behinderten Gedanken zu machen, weshalb die Entscheidung der Absage sicherlich im Interesse der Sicherheit richtig war. Allerdings hätte man diese Veranstaltung auch in einem Erdgeschoss o.Ä. planen können.