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aus dem Eventrecht

361/13 Junge springt von Bühne: Schwer verletzt

Von Thomas Waetke 12. August 2013

Ein 7-jähriger Junge ist in Bad Berleburg (NRW) im Beisein seiner Mutter mit seinem BMX-Fahrrad von einer 80 cm hohen Bühne gesprungen, die auf dem Marktplatz aufgebaut war. Bei einem Sprung stürzte er und verletzte sich so schwer, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden musste.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wie sieht es dabei mit den Verkehrssicherungspflichten seitens des Veranstalters aus, der die Bühne aufgestellt hat? KAnn er für den Unfall mitverantwortlich gemacht werden, weil er die Bühne nicht abgesperrt hat?

Grundsätzlich wird vermutlich die Mutter, die dabei war, einen erheblichen Teil der Schuld tragen, weil sie aufsichtspflichtig war.

Wie sieht es aber mit dem Veranstalter aus (bspw. auch dann, wenn die Mutter nicht dabei gewesen wäre)?

Grundsätzlich ist man nur verkehrssicherungspflichtig gegenüber solchen Personen, die regulär an dem “Verkehr” teilnehmen. Wer also unbefugt eine Baustelle betritt, kann nicht damit rechnen, dass der Bauherr Sicherheitsmaßnahmen für ihn getroffen hat.

Für denjenigen, der außerhalb einer Veranstaltung unbefugt auf einer Bühne herumturnt, gilt dasselbe.

Aber: Der Verkehrssicherungspflichtige muss dann Sicherheitsmaßnahmen auch gegen bzw. zu Gunsten Unbefugter treffen, wenn mit einem naheliegenden Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer, insbesondere Kinder, gerechnet werden muss.

Steht eine Bühne unbewacht auf einem Marktplatz, dann muss m.E. der Veranstalter damit rechnen, dass außerhalb der Veranstaltungszeit Personen auf die Bühne klettern. Dies gilt umso mehr, wenn sie auf einem Marktplatz steht, auf den auch Kinder ohne Begleitung Erwachsener herumlaufen können.

Außerdem dürfte es auch zumutbar sein, eine solche Bühne abzusichern, bspw. indem zumindest ein Bauzaun drumherum gestellt wird.

Dass von dem Bauzaun vielleicht nicht jeder abgeschreckt wird, der dann über den Zaun klettert, kann passieren; allerdings würde dann vermutlich die alleinige Schuld bei dem liegen, der über den Zaun klettert: Es verwirklicht sich dann sein eigenes Lebensrisiko. Wer deutlich sichtbare Sicherheitsmaßnahmen umgeht, ist selbst schuld.