News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

34/12 Chaos bei der Evakuierung?

Von Thomas Waetke 30. Januar 2012

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor Italien scheint Pressemeldungen zufolge zu einer chaotischen Evakuierung der Passagiere geführt zu haben. In einem Handyvideo ist zu sehen und zu hören, wie Restaurantmitarbeiter die Passagiere rausschicken, andere Mitarbeiter desselben Restaurants aber zum Sitzenbleiben animieren.

Auch Lautsprecherdurchsagen sollen falsch bzw. widersprüchlich gewesen sein. Viele Mitarbeiter sollen auch nicht gewusst haben, wie die Rettungsboote zu Wasser gelassen werden. Außerdem soll ca. eine Stunde nach der Kollision mit dem Unterwasserfelsen vergangen sein, bevor überhaupt die Evakuierung eingeleitet wurde.

Diese Vorfälle lassen sich unschwer von einem Schiff auf eine Halle übertragen. Auch hier müssen Mitarbeiter schon im Vorfeld unterrichtet sein, was sie im Notfall machen müssen. Außerdem muss sichergestellt sein, dass diese Mitarbeiter auch umgehend über den Eintritt des Notfalls informiert werden.

Die einschlägigen Vorschriften sehen dazu bspw. eine Unterweisung der Mitarbeiter vor:

Es handelt sich hier (auf den ersten Blick) vornehmlich um Arbeitsschutz. Da aber Betreiber und Veranstalter natürlich auch dafür verantwortlich sind, die Besucher soweit möglich heil aus der Veranstaltungsstätte zu evakuieren, ist die Beachtung der genannten Vorschriften ebenso wichtig mit Blick auf den Besucherschutz.

Betreiber und Veranstalter sind verantwortlich sich im Vorfeld zu überlegen, wie die Veranstaltung evakuiert werden kann. Dies kann nur funktionieren, wenn u.a. auch die Mitarbeiter involviert und informiert sind – und zwar nicht nur, wie sie sich selbst retten (= Arbeitsschutz), sondern auch, wie sie helfen können, Besucher zu retten (= Besucherschutz).

Warum bspw. nicht die versammelten Besucher zu Beginn der Veranstaltung über die wesentlichen Sicherheitsmaßnahmen informieren? Im Eifer des Gefechts (= bei einer Panik) schaut man sich nämlich nicht erst nach einem Fluchtwegschild um. Wenn man aber vorher weiß, wo man hin gehen könnte, würde das sicherlich hilfreich sein können.

Dazu besagt ja bspw. § 32 Abs. 2 MVStättV, dass der Bestuhlungs- und Rettunsgwegeplan in der Nähe des Haupteinganges gut sichtbar anzubringen ist. Wer aber schaut sich das schon vorher an (zumal solche Pläne oft auch schlicht fehlen)?

Ein – leider im Ergebnis nicht so gelungenes – reales Beispiel aus einer Vorstellung eines Weihnachtszirkus 2011:

Der Moderator bat kurz vor Beginn der Vorstellung die Besucher um Aufmerksamkeit für die Sicherheitsbestimmungen. Ich war schon freudig erregt ob der Präsentation der Sicherheitskonzepts, aber leider erwähnte der Moderator dann nur das Rauchverbot und das Verbot von Fotoaufnahmen (“aus Sicherheitsgründen für die Künstler und aus urheberrechtlichen Gründen”).

Wenn schon, hätte der Veranstalter die Chance nutzen können, noch ein paar Sätze mehr zur allgemeinen Sicherheit zu sagen.