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329/17 Leipzig: Polizeiauto wird als mobile Sperre alle 2 Minuten hin- und hergefahren

329/17 Leipzig: Polizeiauto wird als mobile Sperre alle 2 Minuten hin- und hergefahren

2. Dezember 2017

Als Sperre vor Terrorangriffen mit Fahrzeugen hat man (nicht nur) in Leipzig Betonbarrieren aufgestellt, um den Weihnachtsmarkt zu schützen. An einer Stelle durchkreuzen aber zwei Straßenbahnschienen den Plan: Daher hat man auf die Gleise keine Betonsteine abgestellt, sondern einen Polizeibus. Damit die Straßenbahnen durchfahren können, wird der Polizeibus nun alle 2 Minuten hin- und hergefahren. Der Fahrer bleibt praktischerweise gleich darin sitzen.

Tatsächlich kann man ja nicht nur über die Notwendigkeit solcher Sperren, sondern auch über die Sinnhaftigkeit streiten. Baut man Sperren aber auf, muss man bedenken, dass/ob der Weg ggf. als Fluchtweg der Besucher und/oder als Rettungsweg für Rettungskräfte benötigt wird.

Und: Bei im wahrsten Sinne des Wortes mobilen Sperren ist zu überlegen, ob der Fahrer im Fahrzeug sitzen bleiben sollte. Zwar mag das Fahrzeug dann schneller beiseite geschafft werden können, aber dafür ist er dann auch das erste Opfer bei einem Angriff.

Ich hatte diese Diskussionen, in die auch der Arbeitsschutz hineinspielt (man denke an die psychische Belastung des Fahrers, wenn er dauerhaft im Fahrzeug sitzen bleiben soll, vgl. § 5 Absatz 3 Nr. 6 ArbSchG), bereits mehrfach. In vielen Fällen hat man mir dann gesagt: Das Risiko für den Fahrer sei ja nicht hoch, denn die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt ein Angriff erfolge, tendiere ja gegen Null. Auf meine Frage, warum man dann überhaupt eine Sperre mit einem Fahrzeug und einem Fahrer, der dauerhaft sitzen bleiben muss, aufbaut, habe ich auch noch keine Antwort erhalten.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Polizeiwagen in Reihe: © Jörg Hüttenhölscher - Fotolia.com