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326/12 Ritterfest: Verletzte bei Felssturz auf Burg

by 21. Juli 2012

Auf dem Weg zu einem Ritterfest in der Burg Hochosterwitz bei St. Veit (Österreich) sind am Samstag nachmittag 5 Personen verletzt worden, als sich zwischen zwei Burgtoren ein Felsbrocken löste und auf den Weg fiel. Ein neunjähriger Junge wurde am Kopf getroffen und schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.

Aus Sorge vor weiteren Felsstürzen wurde der Weg gesperrt. Ca. 500 Besucher mussten die Burg über einen Lift in kleinen Gruppen verlassen.

UPDATE vom 22.07.: Der verletzte Junge und ein 27-Jähriger, der ebenfalls von Steinen am Kopf getroffen wurde, wurden in ein künstliches Koma versetzt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Weg gesperrt, Lift, kleine Gruppen – kommt davon, wenn es nur einen Rettungsweg gibt. Blöd dann, wenn der versperrt ist. Burgen haben eine seltsame Eigenart: Die sind so gebaut, dass man nicht reinkommt. Daher gibt es hohe Mauern und schmale Tore.

Vielfach finden Veranstaltungen auf Burgen statt; eine schöne Atmosphäre verstellt oftmals den Blick auf die Gefahrensituation: Wie kommen die Leute wieder schnell aus der Burg raus? Zwar haben viele Burgen zumindest vielleicht ein Tor mit mehreren Metern Breite. Wie aber gesehen, hilft das wenig, wenn der breite Weg nicht mehr genutzt werden kann.

Soweit nach deutschem Recht die Versammlungsstättenverordnung anwendbar wäre, muss geprüft werden, ob und inwieweit ein zweiter Rettungsweg erforderlich ist (siehe § 6 MVStättV).

Unabhängig davon wird man aber ggf. zumindest dem Veranstalter den Vorwurf machen können, gegen Verkehrssicherungspflichten verstoßen zu haben. Schließlich muss er sich überlegen, wie er seine Gäste aus der Burg evakuiert, wenn der Hauptzugang blockiert ist. Das kann wie oben gesehen durch natürliche Einflüsse passieren, aber auch durch einen brennenden Verkaufsstand nahe des Eingangs, eines Rettungsfahrzeuges, das den Eingang verstellt usw.

Im Übrigen gehört auch zu den Verkehrssicherungspflichten, zumindest regelmäßig den Felsen nahe der Wege zu kontrollieren (genauso wie Bäume bei einer Open Air-Veranstaltung).