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317/17 Zu wenig Service-Personal = Minderung des Preises?

317/17 Zu wenig Service-Personal = Minderung des Preises?

by 22. November 2017

So manche Veranstaltung findet nicht nur mit Musik oder Programm, sondern auch mit einem Catering statt. Wird dafür ein Caterer eingekauft, können sich eine Vielzahl von Rechtsfragen stellen. Eine, die ich hier vorstellen möchte: Was passiert, wenn der Gastwirt bzw. Caterer zwar das bestellte Essen ordentlich liefert, aber beim ebenfalls mitbestellten Servicepersonal gibt es Probleme? Was passiert, wenn bspw. zu wenig Kellner vor Ort sind und es deshalb zu Wartezeiten kommt?

Zunächst kommt es natürlich auf den Vertrag an, d.h. hat bspw. der Veranstalter ausdrücklich nur 2 Kellner bestellt, obwohl eigentlich deutlich mehr Kellner notwendig wären?

Allein die Bestellung des Auftraggebers führt aber noch nicht dazu, dass der Caterer den Auftraggeber nicht darauf hinweisen müsste, dass die Bestellung nicht ausreichen würde. Unterlässt der Caterer diese Aufklärung, würde er sich schadenersatzpflichtig machen. Nur wenn der Caterer den Kunden aufklärt und der Kunde angesichts der Aufklärung trotzdem auf seiner Bestellung beharrt, wäre der Caterer aus dem Schneider.

In einem vor dem Amtsgericht München entschiedenen Fall buchte eine Hochzeitsgesellschaft nicht nur den Raum, sondern auch das Catering beim Gastwirt. Der aber stellte für 150 Gäste nur 2 Kellner zur Verfügung – zu wenig, so das Amtsgericht München: Zum Inhalt der von dem Gast vergüteten Leistungen des Gastwirts gehöre laut Gericht nämlich nicht nur die Lieferung der bestellten Speisen und Getränke, sondern auch ein dem „Zuschnitt“ des Restaurants entsprechender Service, der so zügig sein müsse, wie dies nach der Art der bestellten Speisen und Getränke erforderlich sei.

Die Rechtsfolge?

Hier kommt eine rechtliche Besonderheit ins Spiel: Denn der Service ist rechtlich „nur“ eine geschuldete Dienstleistung. Das Dienstvertragsrecht aber kennt keine Preisminderung, sondern nur eine Kündigung mangelhafter Erbringung der Dienstleistungen.

Das Problem: Der Veranstalter müsste also, wenn zu wenig Personal vorhanden ist, den Vertrag kündigen – und stünde dann ohne etwas da. Typischerweise kann man mit einer größeren Festgesellschaft auch nicht mal eben so die Location wechseln.

Was tun?

Würde man starr am Recht (= keine Minderung, nur Kündigung) festhalten, wäre der Schaden für alle Beteiligten am größten. So hat es auch das Amtsgericht München entschieden: Die besondere Sachlage rechtfertigt es hier, dem Veranstalter ausnahmweise doch einen Minderungsanspruch zuzubilligen (den es wie gesagt im Dienstvertragsrecht gar nicht gibt): Nur so könne man allen Vertragsinteressen gerecht werden, so das Gericht.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Buffet Catering: © LElik83 - Fotolia.com