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31/17 Die politische Botschaft des Künstlers auf der Bühne

31/17 Die politische Botschaft des Künstlers auf der Bühne

by 7. Februar 2017

Zuletzt beim Super Bowl in Houston erwarteten die Zuschauer eigentlich ein politisches Statement von Lady Gaga, die in der Halbzeit auftrat – immerhin unterstützte sie im Wahlkampf noch Hillary Clinton. Stattdessen fällt ihre Botschaft dann doch eher subtil aus: „This Land Is Your Land“ und „God Bless America“ zusammen mit einem gesprochenen Teil des Treuschwurs „eine Nation, unter Gott, unteilbar“… das war´s.

Inwieweit darf ein Künstler, der vom Veranstalter für einen Auftritt gebucht ist, (s)ein politisches Statement auf der Bühne loswerden? Bspw. als Protest gegen einen Sponsor der Veranstaltung oder als Protest gegen Dritte, die mit der Veranstaltung gar nichts zu tun haben?

Grundsätzlich ergeben sich die Leistungspflichten aus dem Vertrag zwischen Künstler und Veranstalter. U.a. um nicht das Risiko einer Scheinselbständigkeit einzugehen, gibt der Veranstalter dem Künstler oft nicht jedes Detail der Show vor – so oder so verbleiben dem Künstler seine künstlerischen Freiheiten. In diesem Rahmen darf er sich bewegen, im Zweifel wird der Rahmen von dem vorgegeben, was für den Künstler „üblich“ ist. Wenn der Künstler also für Gesang gebucht ist, weil er bisher immer gesungen hat, kann er nicht plötzlich auf der Bühne nur Blockflöte spielen. Allerdings dürfte ein Satiriker oder Komiker auf der Bühne auch aktuelle Themen kritisch beleuchten.

Vertraglich vereinbart?

In den meisten Verträgen wird die politische Neutralität auf der Bühne oftmals nicht ausdrücklich vereinbart.

Loyalitäts- und Rücksichtsnahmepflicht

Aber auch dann, wenn eine solche ausdrückliche Vereinbarung fehlt, bedeutet es nicht, dass es nicht eine solche vertragliche Pflicht geben könnte/würde: Mit jedem Vertrag gehen gewisse Loyalitäts- und Rücksichtsnahmepflichten einher (siehe auch § 241 Absatz 2 BGB).

Und solche Loyalitäts- und Rücksichtsnahmepflichten ergeben grundsätzlich eben auch, dass der Künstler nichts machen darf, was dem Veranstalter schaden könnte – das betrifft also insbesondere Äußerungen gegen Sponsoren der Veranstaltung. Würde der Künstler also über einen Sponsor herziehen, kann er sich (auch gegenüber dem Sponsor) schadenersatzpflichtig machen.

Auch soweit die Äußerungen des Künstlers Außenstehende/Nichtbeteiligte betreffen, darf der Künstler nicht alles machen, was er gerade will – jedenfalls nicht auf der Bühne des Veranstalters. Wird der Künstler bspw. 90 Minuten gebucht und bezahlt, muss er grundsätzlich auch 90 Minuten seine „übliche“ Show abliefern. Ohne Zustimmung des Veranstalters ist er grundsätzlich nicht berechtigt, diese Zeit für die Verbreitung seiner politischen Einstellung zu nutzen (bzw. gar zu missbrauchen). Dies wäre nur denkbar, wenn er seine Äußerungen geschickt so verpackt, dass sie bspw. als künstlerische Moderation durchgehen könnten, oder wie bei Lady Gaga in Houston einfach die Songauswahl für den geneigten Zuhörer schon ausreichend Aussagekraft hat.

Übrigens:

In vielen Fällen kann es Sinn machen, nicht gewollte Verhaltensweisen des Vertragspartners ausdrücklich zu vereinbaren, sei es in Mietverträgen (keine politischen Veranstaltungen, keine Verkaufsförderveranstaltungen o.Ä.), bei Künstlerverträgen, bei Arbeitsverträgen (z.B. bezüglich Äußerungen auf Social Media-Plattformen) usw.

Unsere Expertise liegt in der Vertragsgestaltung und der Formulierung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Hier profitieren wird von Hintergrundwissen im Veranstaltungsbereich und jahrelanger Erfahrung. Sprechen Sie mich an, wir unterbreiten Ihnen gerne ein unverbindliches Angebot: info@eventfaq.de

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