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aus dem Eventrecht

31 Verletzte bei Gasunfall

Von Thomas Waetke 5. November 2010

In einem Hotel in Baiersbronn (Baden-Württemberg) ist in einem Technikraum für das Hotel-Schwimmbad Chlorgas ausgetreten und hatte sich im Hotel verbreitet.

31 Personen sind zum Teil schwer verletzt worden, eine von ihnen wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Die Gäste und Hotelangestellten wurden von der Feuerwehr vom Dach gerettet, auf das sie sich geflüchtet hatten. Die Polizei hat das Hotel gesperrt, bis es durchlüftet ist. Die Ursache des Gasaustritts ist unbekannt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Notfallkonzepte müssen auch auf solche Situationen Rücksicht nehmen: Nicht immer brennt es lichterloh oder schlagen sich Besucher untereinander, manchmal kommt die Gefahr auch schleichend und unsichtbar. Umso wichtiger ist, dass insbesondere die Mitarbeiter wissen, was zu tun ist und auf das Kommando des leitenden Mitarbeiters hören – auch und gerade dann, wenn die Gefahr auf den ersten Blick gar nicht zu sehen ist. In diesen Situationen ist wichtig, dass die Gefahr ernst genommen wird – und damit ist insbesondere gemeint, dass auch die arlarmauslösende Person ernst genommen wird.

Rein rechtlich mit Blick auf die Haftung ist der Fall nicht ungewöhnlich: Der Hotelier bzw. Mitarbeiter bzw. Techniker haftet auf Schadenersatz und Schmerzensgeld, wenn

  • er fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat,
  • er rechtswidrig (also nicht in Notwehr) gehandelt hat,
  • die Handlung ursächlich war für den Schaden, und
  • ein Schaden überhaupt entstanden ist.

Strafrechtlich kommt hier eine fahrlässige oder auch vorsätzliche Körperverletzung in Betracht.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Zivilrecht und Strafrecht:

  • Die Fahrlässigkeit im Strafrecht richtet sich nach dem subjektiven und persönliche Können des Täters: Kann er nichts oder wenig, sind auch die Anforderungen an ihn nicht ganz so streng.
  • Im Zivilrecht dagegen richtet sich die Fahrlässigkeit nach dem objektiven Durchschnitt von normal sorgfältig handelnden branchenzugehörigen Dritten (z.B. an anderen Hoteliers, Technikern o.Ä.), vgl. § 276 Absatz 2 BGB. Die Sorgfaltsanforderungen im Zivilrecht sind also deutlich höher als im Strafrecht, soll heißen: Wenn im Strafrecht eine Fahrlässigkeit verneint wird, kann sie im Zivilrecht bejaht werden, da der Ausgangspunkt ein anderer ist (nämlich ausgehend vom objektiven Durchschnitt).