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301/16 Lehrer umgehen Bahnschranke beim Schulausflug

301/16 Lehrer umgehen Bahnschranke beim Schulausflug

by 28. Juli 2016

In Österreich hatte eine Schule mit 83 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren und vier begleitenden Lehrerinnen einen Ausflug gemacht. Auf dem Rückweg wollte man noch den Zug erwischen. Die Bahnschranken waren schon unten, die 4 Lehrerinnen lotsten die Kinder dann aber um die geschlossenen Bahnschranken herum. Zeugen beobachteten die Situation und erstatteten Anzeige, ihnen zufolge soll Sekunden später ein Zug durchgefahren sein, die Lehrerinnen behaupten, dass erst deutlich später ein Zug gekommen sei, nachdem sie bereits in den wartenden Zug eingestiegen seien. In der Folge wurden die Lehrerinnen entlassen. Und nun regt sich Widerstand gegen diese Entlassung, auch Eltern meinen, die Konsequent sei zu hart: Es handele sich um ein einmaliges Fehlverhalten, die Lehrerinnen seien verantwortungsbewusst und hervorragend.

Es ist bezeichnend: Es gibt eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen, die ein Mensch zu Gunsten der anderen Menschen schafft – aber die anderen interessieren sich gar nicht dafür. Man denke auch an die rote Ampel, die von vielen Fahrradfahrern absichtlich überfahren wird.

Eine Schranke ist ja auch nicht zum Spaß „unten“. Was würden wohl diejenigen sagen, die sich nun über die Entlassung empören, wenn einem Kind etwas passiert wäre? Darf man von einem einmaligen Versagen sprechen, wenn doch angeblich viel Verantwortungsbewusst sein gegeben ist?

Druck

Anscheinend wollten die Lehrerinnen verhindern, dass man zu spät zurückkomme, weil man den Zug verpasst hat, und standen womöglich unter Druck. Aber gerade das ist ja typisch:

Zeitdruck, Geldsorgen, Personalmangel und der nörgelnde Kunde verhindern allzu oft die gebotene Vorsicht. Man ist als Verantwortlicher auch dafür verantwortlich, dass grundsätzlich ausreichend Zeit, Geld, Personal usw. zur Verfügung steht, um eine Aufgabe ordnungsgemäß erledigen zu können.

Missbrauch von Sicherungsmaßnahmen

Wer Sicherungsmaßnahmen missbraucht, z.B. weil er ein Absperrgitter übersteigt, ist grundsätzlich für sich selbst verantwortlich. Grundsätzlich ist der Verantwortliche nicht verpflichtet, eine zweite Sicherheitsmaßnahme vorzuhalten, falls die erste absichtlich missachtet wird. Anders kann es nur sein, wenn die erste Sicherheitsmaßnahme möglicherweise nicht deutlich genug ist (z.B. weil nur ein kleines Warnschild aufgehängt wird, das man schnell übersehen kann).

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Polizeigitter: © Tom-Hanisch - Fotolia.com