Aktuelles

Urteile, Vorfälle, Kommentierungen...
271/15 Team Wallraff: Sicherheit in Freizeitparks

271/15 Team Wallraff: Sicherheit in Freizeitparks

by 1. September 2015

In der RTL-Sendung „Team Wallraff“ ging es gestern um Freizeitparks; das „Team Wallraff“ hatte über Monate eine Journalistin in verschiedene Freizeitparks eingeschleust, die dort arbeiten sollte. Dabei wurden unschöne Zustände einerseits in der Haltung von Tieren, andererseits aber auch bei der Arbeitssicherheit festgestellt: „Sie haben eine Mittagspause und eine Toilettenpause. Dazwischen heißt es eigentlich Beine zusammenkneifen“, wird ein Vorgesetzter zitiert. Im Holiday Park Haßloch, in dem vor ca. einem Jahr ein Mädchen ums Leben kam, wurde die neue Mitarbeiterin nur kurz und knapp in die Fahrgeschäfte, die sie betreuen sollte, eingewiesen. Außerdem will das TV-Team festgestellt haben, dass zu wenig Personal vorhanden sei.

„Wer im Freizeitpark am Personal spart, der spart letztlich an der Sicherheit“, so Günter Wallraff dazu. Er hoffe, dass sich aufgrund der Berichte in den Parks nun etwas ändere.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke

Wo Menschen arbeiten und wo es ums Geld geht, regiert nicht immer die Vernunft an erster Stelle. Die ordnungsgemäße Umsetzung der vielen Vorschriften auf einer Veranstaltung bspw. ist eine Mammutaufgabe, die nur durch ein Heer von Kontrolleuren zu bewältigen wäre. Das ist nunmal unrealistisch. Auch in Sachen Arbeitssicherheit hinkt der Staat hinterher, in den Ländern gibt es (zu) wenig Stellen für die Aufsicht.

Seit mehreren tausend Jahren gibt es Veranstaltungen, und immer wieder gibt es schwere, oftmals vielleicht auch ganz unnötige Unfälle mit Toten und Verletzten oder auch “nur” einem hohen finanziellen Schaden.

Gefordert sind u.a. die Ausbilder, Berufsschulen, Hochschulen und Schulungsanbieter: Wer aus einem 3-jährigen Studium oder einer 3-jährigen Ausbildung kommt und grundlegende Dinge nicht kennt/kann, der war auf der falschen Schule. Ich würde mir wünschen, wenn auch Dozenten und Lehrer den Anspruch an sich selbst setzen, nicht nur auf dem aktuellen Stand zu sein, sondern auch die unbestreitbare Notwendigkeit von Arbeitssicherheit, Recht und Ordnung auf einer Veranstaltung zu vermitteln. Ich staune immer wieder, mit welcher Selbstgefälligkeit hier und da das Gefühl vermittelt wird, Events müssten einfach nur hipp und geil sein, und dann würde alles gut werden.

Gefordert ist aber auch der Wettbewerb: Warum hinnehmen, wenn ein Wettbewerber lediglich mit dem Fokus auf das schnelle Geld Veranstaltungen ohne Sinn und Verstand durchführt? Zur Abwehr und zur Verdrängung solcher “Wettbewerber” gibt es bspw. das Instrument des Lauterkeitsrechts und des Wettbewerbsrechts, das Unternehmen und auch Verbänden eine starke Waffe an die Hand gibt. Ja, auch ein Verband kann gemäß § 8 Absatz 3 Nr. 2 UWG gegen Rechtsverletzungen vorgehen, ebenso die IHK oder die HWK (§ 8 Absatz 3 Nr. 4 UWG).

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Fisch schwimmt gegen den Strom: © stockphoto-graf - Fotolia.com