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271/12 Eskalierte Facebook-Party: Unfreiwillig Veranstalter?

by 25. Juni 2012

Zum wiederholten Mal ist eine Facebook-Party eskaliert, diesmal im niedersächsischen Barum. Diese Party hatte aber eine Besonderheit:

Die angeblichen Veranstalter wollen von ihrer Party gar nichts gewusst haben: Angeblich sollen sich Unbekannte in ihren Facebook-Account gehackt und die Party initiiert haben. Als ca. 250 Besucher vor der Tür standen, alarmierten die ungewollten Veranstalter die Polizei. Ungefähr 50 ungebetene Gäste sollen sich sogar gewaltsam den Zutritt in das Haus verschafft haben, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Bewohnern. Als die Polizei eintraf, flüchteten die meisten „Gäste“.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Veranstalter ist, wer

  • das wirtschaftliche Risiko der Veranstaltung trägt,
  • die Letztentscheidungsbefugnis hat bzw.
  • sich gegenüber Dritten als Veranstalter darstellt.

Natürlich kann bspw. eine Eventagentur oder ein Sponsor auch unfreiwillig (Mit-)Veranstalter sein, bspw. dann, wenn die organisierende Eventagentur wesentliche Entscheidungen trifft (z.B. über das Programm auf der Bühne, Eintrittspreis usw.). Wenn jemand, der eigentlich kein Veranstalter sein wollte, aber dennoch Kriterien eines Veranstalters objektiv erfüllt, dann kann er (rückwirkend) als Veranstalter eingestuft werden.

Umso wichtiger ist, dass die Beteiligten im Vorfeld ihre Rollen klären. Insbesondere die „Full-Service-Agentur“, die im Auftrag eines Veranstalters plant und organisiert, muss hier aufpassen. Denn wer Veranstalter ist, der trägt auch die (Haupt-)Verantwortung. Und wer das nicht weiß und erst später in einem Gerichtsprozess zum Veranstalter erklärt wird, der kann natürlich nicht im Vorfeld für Sicherheitsmaßnahmen o.Ä. sorgen.

Dabei sollte nicht nur im Vertrag eindeutig festgelegt sein, wer Veranstalter ist, sondern vor allem darauf geachtet werden, dass die genannten Kriterien nicht erfüllt werden.

  • Derjenige, der bspw. nur Sponsor sein möchte, sollte sich die Werbemittel zeigen lassen, aus denen klar hervorgehen sollte, wer Veranstalter ist (z.B. „Veranstalter: …“).
  • Vorsicht in Pressemitteilungen und anderen Äußerungen: Hier sollte sich der Sponsor, Vermieter oder die Agentur nicht allzusehr als „Macher“ hinstellen, da sonst die Gefahr besteht, dass man alleine über unbedachte Äußerungen als Veranstalter qualifiziert wird.
  • Die wichtigen Entscheidungen (wo, was, wann usw.) sollte stets der gewollte Veranstalter treffen. Wer ihm diese Entscheidungen abnimmt, riskiert, Veranstalter zu sein.