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aus dem Eventrecht

259/11 Das Boot macht „Pling“

Von Thomas Waetke 27. Juli 2011

Kameramann Jost Vacano klagt gegen mehrere Fernsehanstalten auf Nachzahlung von 440.000 Euro: Er meint, als Chef-Kameramann maßgeblich am Erfolg des Films „Das Boot“ beteiligt gewesen zu sein, seinerzeit aber nur einen verhältnismäßig geringen Fixbetrag erhalten zu haben.

Die Gegenseite allerdings meint, dass sich der Kameramann eher an die Produktionsfirma halten müsse, und nicht an den Sender.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Fallkonstellation gilt überall (also auch, wenn ein Werbegraphiker ein Logo für den Veranstalter entwickelt); auch schon die Urheberin des Mc Donalds-Rapps („ich liebe es“) oder die Graphikerin der Tatort-Zielscheibe haben aus demselben Grund geklagt – aber auch verloren (teils, da doch keine urheberrechtliche Stellung oder da nicht wichtig genug).

Wer (Mit-)Urheber an einem urheberrechtlich geschützten Werk ist, hat einen Anspruch auf angemessene Vergütung (siehe § 32 Abs. 1 UrhG).

Kann der Verwerter mit dem Werk einen so großen Erfolg erzielen, dass die ursprüngliche Vergütung in einem krassen Missverhältnis zu diesem Erfolg steht, hat der Mit-Urheber einen Anspruch auf Nachvergütung (§ 32 a Abs. 1 UrhG).

Der Film „Das Boot“ ist mit Sicherheit ein urheberrechtlich geschütztes Werk, da die dafür erforderliche Schöpfungshöhe ersichtlich erreicht bzw. überschritten ist.

Das Gericht müsste aber prüfen, ob Jost Vacano selbst einen urheberrechtlich relevanten Anteil beigesteuert hat. Bei Kameraleuten ist dies je nach Einzelfall in der Vergangenheit bereits bejaht worden. Allerdings darf der Kameramann nicht nur auf Anweisung gehandelt haben, denn dann vollbringt er keine für das Urheberrecht erforderliche geistige Leistung: Er führt ja nur Anweisungen aus. Vacano sagt aber, dass er selbst viele Ideen hat einfließen lassen.

Damit kommt solch ein Nachforderungsanspruch grundsätzlich in Betracht.

Übrigens:
Im Vertrag lässt sich ein solcher Nachforderungsanspruch nicht ausschließen, eine solche Klausel wäre unwirksam.

Nur dann, wenn der Urheber nicht das ausschließliche Nutzungsrecht, sondern nur das einfache Nutzungsrecht „an Jedermann“ (!) überträgt, kann dies unentgeltlich erfolgen – ohne Anspruch auf angemessene Vergütung (§ 32 Abs. 3 Satz 3 UrhG). Beispiel: Der Fotograf stellt sein Bild auf die Website und sagt dazu, dass jeder ungefragt das Bild auch nutzen dürfe.