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246/16 Verkehrssicherung: Abstellen von Koffern im Flur

246/16 Verkehrssicherung: Abstellen von Koffern im Flur

by 20. Juni 2016

Auf einem Kreuzfahrtschiff wurde den Passagieren angeboten, dass sie unmittelbar vor dem Anlegen im Hafen ihre Koffer im Gang abstellen könnten, so dass diese vom Personal bereits abgeholt werden konnten. Eine Passagierin stolperte über einen Koffer und verklagte daraufhin ihren Reiseveranstalter.

Das Oberlandesgericht Rostock hat die Klage nun abgewiesen: Der Reiseveranstalterin, damit auch dem Kreuzfahrtschiff, sei keine Verletzung von Verkehrssicherungspflichten vorzuwerfen.

Die Gänge seien ausreichend beleuchtet gewesen, die Crew habe auch einen im Verhältnis zur Gesamtreisezeit kurzen Zeitraum dafür zur Verfügung gestellt, zudem hatte die Passagierin die Koffer nach eigenen Angaben auch selbst gesehen. Dass sie dennoch an einem Rollrad eines Koffer hängengeblieben und gestürzt sei, sei dem Reiseveranstalter nicht zuzurechnen, so das Gericht.

Es sei dem Reiseveranstalter bzw. der Crew nicht zumutbar, die Koffer sofort wegzuräumen, da sie dann in jedem Flur Personal abstellen müsste. Auch dass dieser Service erst gar nicht angeboten und die Passagiere ihr Gepäck im Hafen selbst abtransportieren müssten, sei nicht zumutbar, da dies zu individuellen Belastungen und allgemeinen Zeitverlusten führen könnte.

Bei Abwägung dieser Vor- und Nachteile sowie der mit der vorübergehenden Gepäckabstellung in den Kabinengängen eintretenden Gefahrenlage, die unter Beachtung der aufgezeigten Umstände als eher gering einzustufen ist, wirkt der Vorwurf eines Überwachungsverschulden deshalb unangemessen, so das Oberlandesgericht.

Zunächst:

Die Besonderheit im Reiserecht besteht darin, dass der Pauschalreisende bzw. Urlaubsreisende immer einen Ansprechpartner hat: Seinen Reiseveranstalter. Soweit der in Deutschland sitzt, ist es für den Reisenden (soweit er selbst auch aus Deutschland kommt) bequemer, seine Ansprüche in Deutschland geltend zu machen, als hier bspw. am Geschäftssitz der ausländischen Reederei.

Das Oberlandesgericht Rostock ist leider nicht auf die Frage eingegangen, ob man überhaupt solch ein Serviceangebot hätte machen dürfen: Denn soweit durch die Koffer die Rettungswege nicht mehr in der vollen Breite zur Verfügung stünden, darf die Mühe des Gastes, seinen Koffer selbst transportieren zu müssen, kein Argument dafür sein, dass ein solches Serviceangebot sinnvoll sei. Dann müsste man sicherlich eine Pflichtverletzung des Reiseveranstalters bzw. der Crew bejahen – ggf. aber der Passagierin ein (erhebliches) Mitverschulden anlasten, da sie die Gefahr ja selbst gesehen hat und unschwer hätte beherrschen können (indem sie nicht zu dicht am Koffer vorbeigegangen wäre).

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Kreuzfahrtschiff: © Horst Schmidt - Fotolia.com