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239/17 Arbeitgeber fordern Reform der Arbeitszeit

239/17 Arbeitgeber fordern Reform der Arbeitszeit

by 30. August 2017

Arbeitgeberverbände fordern (erneut) eine Reform der Arbeitszeitvorschriften: Diese seien nicht mehr zeitgemäß, das digitale Zeitalter erfordere mehr Flexibilität. Aus einer Tagesgrenze sollte eine Wochengrenze werden, so dass die Arbeitszeit innerhalb der Woche geschickter verteilt werden könne.

Diese Diskussion ist nicht neu. Auch wird oftmals gerade aus der Eventbranche gefordert, die Arbeitszeit pro Woche zu erhöhen bzw. zumindest an Veranstaltungstagen eine längere Arbeitszeit zu erlauben.

Wie so oft hat die Medaille zwei Seiten:

Auf der einen Seite steht das Bedürfnis, Arbeiten sachgerecht und vernünftig erledigen zu können, ohne allzusehr durch Arbeitszeitregeln eingeengt zu werden.

Auf der anderen Seite aber steht auch das Bedürnis (nur) beim Arbeitgeber, maximal Geld zu sparen: Je länger er einen einzelnen Mitarbeiter arbeiten lässt, desto günstiger (augenscheinlich) ist es für ihn – selbst dann, wenn er dafür den Monatslohn etwas erhöhen sollte. Zusätzliche Mitarbeiter kosten immer auch zusätzlich Geld. Das führt dazu, dass viele Agenturen, Veranstaltungsbetriebe, Dienstleistungsbetriebe personell signifikant unterbesetzt sind – und dadurch oft nur ein vermeintlicher Bedarf nach einer längeren (nicht flexibleren!) Arbeitszeit besteht.

Das Arbeitsgericht Kiel hatte jüngst über die Frage psychischer Belastung bei personeller Unterbesetzung zu entscheiden (nicht in der Eventbranche allerdings).

Das Fazit: Ein Arbeitgeber darf Überlastung seines Personals nicht zulassen. Auch aus dem Arbeitsschutzgesetz ergibt sich (mittlerweile) ein Anspruch des Arbeitnehmers vor psyhischer (Über-)Belastung aus § 5 Absatz 3 Nr. 6. Dazu gehört auch, dass der Mitarbeiter davor bewahrt wird, nicht aufgrund Unterbesetzung oder Personal-Missmanagement belastet wird.

Ich bekomme oft mit, dass Auszubildende nach der Berufsschule abends noch in den Betrieb bzw. auf die Veranstaltung und dann aber am nächsten Tag wieder morgens in der Schule bzw. im Betrieb stehen müssen; auch Festangestellte berichten, dass Sie teilweise 20, 24 Stunden am Stück arbeiten müssen – immer mit dem Argument verbunden, dass man die wichtigen Arbeiten ja gar nicht auf mehrere Mitarbeiter verteilen könne.

 

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