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236/15 Unfall: Im Regelfall ist ein Kamel ein Tier

236/15 Unfall: Im Regelfall ist ein Kamel ein Tier

Von Thomas Waetke 11. August 2015

Wer auf ein Kamel steigt, um auf ihm zu reiten, sollte sich gut festhalten, will man nicht mithilfe ganz natürlicher Gesetze den Abstieg beschleunigt wissen.

Zunächst mit einem solchen Naturgesetz wurde ein Reisender aus Deutschland konfrontiert, als er auf einer gebuchten Pauschalreise nach Ägypten an einem Kamelreiten teilgenommen hatte und vom Kamel gestürzt war, und sich dabei schwer verletzt hatte. Das Kamel wurde von einem Kameltreiber am Zügel geführt, stolperte aber plötzlich, was den Reisenden aus dem Sattel warf.

Der Reisende verklagte daraufhin den Reiseveranstalter, und das Amtsgericht München wies die Klage nun ab: Der Reiseveranstalter könne nichts dafür, dass das Kamel gestolpert sei. Der Reisende hätte nichts vorgetragen, was den Schluss auf eine Pflichtverletzung des Kameltreibers zugelassen hätte: Er hat den Zügel ordentlich festgehalten, und kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass das Kamel plötzlich stolpert. Insoweit hätte sich “nur” das bei einem Tier eben natürlicherweise mit einhergehende Risiko verwirklicht.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wie man sieht: Auch bei einem Unfall ist nicht automatisch der Reiseveranstalter verantwortlich. Er wäre aber verantwortlich gewesen, wenn das Kamel aufgrund eines Fehlers des Kameltreibers gestolpert wäre – denn dann würde der Kameltreiber als Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters gehandelt haben, und der Reiseveranstalter wäre dann verantwortlich, so, als ob er selbst der Kameltreiber gewesen wäre (§ 278 BGB). Wenn aber der örtliche Kameltreiber nicht schuldhaft gehandelt hat, dann kann man auch dem Reiseveranstalter keinen Vorwurf machen.

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  • Stehender Richter-Hammer aus Gerichtssaal: © sergign - Fotolia.com