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181/17 Gefahren auf Veranstaltungen: Kinderaugen sehen nicht alles

181/17 Gefahren auf Veranstaltungen: Kinderaugen sehen nicht alles

by 10. Juli 2017

Kinder bedürfen eines besonderen Schutzes; nicht umsonst gibt es zahlreiche Regelungen, die Kinder und Jugendliche schützen sollen vor ihrer Unbedarftheit und fehlenden Erfahrung. Auf Veranstaltungen gibt es dementsprechend erhöhte Sorgfaltsanforderungen für den Veranstalter.

In einem vom Landgericht Coburg entschiedenen Fall lief ein 3-jähriges Mädchen an einem Badesee über eine Metallrampe auf die Toilette – und verbrannte sich ihre Füße dabei, weil die Metallrampe im Außenbereich in der Sonne lag.

Die Eltern forderten nun von der Gemeinde Schadenersatz und Schmerzensgeld, da sie ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt habe.

Das sah auch das Landgericht Coburg so: Für Erwachsene möge zwar erkennbar gewesen sein, dass sich eine Metallrampe in der Sonne aufheizen kann. Da aber gerade auch Kinder zu den gewünschten Nutzern des Badesees gehören würden, müsste diese Gefahr auch für Kinder erkennbar sein – und das ist es eben nicht, so das Gericht.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in denen die Gemeinde ihre Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt hatte, wertete das Gericht als unwirksam (man kann nämlich seine Haftung für Körperschäden nicht ausschließen oder beschränken!).

Aufsicht nein, Verkehrssicherung ja

Ebenso sah das Gericht keine Aufsichtspflichtverletzung bei den Eltern: Man könne nicht verlangen, dass die Eltern durchgehend ihr Kind an den Händen halten würden oder ständig in unmittelbarer Nähe bleiben könnten/würden.

Derlei Konstellationen trifft man auch auf Veranstaltungen immer wieder:

Richtet sich der Veranstalter konzeptionell auch an die Zielgruppe “Kind”, muss er mehr tun, als wenn er nur Erwachsene einlädt. Schafft er auf seiner Veranstaltung die Möglichkeit für die Eltern, das Kind auch alleine spielen zu lassen, bzw. sollen die Eltern konzeptionell auf Produkte/Waren oder andere Inhalte der Veranstaltung gelenkt werden, erhöhen sich die Anforderungen an den Veranstalter: Denn dann sinkt die Aufsichtspflicht der Eltern, und es steigt die Verkehrssicherungspflicht des Veranstalters.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Schild “Eltern haften für ihre Kinder”: © tyler67 - Fotolia.com