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146/10 Schiff beschlagnahmt

Von Thomas Waetke 29. September 2010

Für ca. 700 Kreuzfahrt-Touristen endete die Fahrt abrupt: Die französische Justiz hat in Nizza die MS Delphin der Charterfirma Hansa Kreuzfahrten als Bankgarantie beschlagnahmt, da das Unternehmen angeblich Schulden habe. Die Touristen mussten von Bord und konnten auf andere Schiffe umbuchen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Passagiere können von ihrem Vertragspartner Schadenersatz verlangen, da er die vertragliche versprochene Leistung “Reise” nicht erbingt bzw. erbringen kann und der Charter dies verschuldet hat (vgl. § 280 Absatz 1 BGB). Dies wäre nur dann nicht der Fall, wenn die Fahrt ohnehin in Nizza geendet hätte.

Die Passagiere dürfen jetzt aber nicht mit dem Taxi von Nizza zurück nach Hamburg fahren und damit den entstandenen Schaden willkürlich vergrößern. Jeder Geschädigte hat eine so genannte Schadenminderungsobliegenheit (siehe § 254 BGB): Im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren muss der Geschädigte also verhindern, dass sich der Schaden unnötig vergrößert. Wenn der Passagier also ohne Probleme auf ein gleichwertiges anderes Schiff mit vergleichbarer Route umbuchen kann, so muss er dies tun – andernfalls kann er keinen Schaden ersetzt verlangen.

Die Situation eines jeden Geschädigten ist gar nicht so ohne: Einerseits ist man emotional ohnehin schon aufgeregt und sauer, andererseits muss man jetzt (erst recht) besonders aufpassen, was man tut:

  • Beweise sichern: Wenn es nachher ums Geld geht, zahlt meist niemand freiwillig. Wer einen Schaden ersetzt haben will, muss ihn und die Ursache und den Verursacher beweisen. Das ist in der Praxis oftmals gar nicht so einfach: Wer denkt schon daran, die Namen von Zeugen aufzuschreiben, wenn der Puls schon bei über 200 liegt?
  • Schaden mindern: Um nachher nicht noch auf dem ganzen Schaden oder Teilen davon sitzen zu bleiben, muss der Geschädigte den Schaden so gering wie möglich halten. Es heißt also, besonnen zu handeln und nicht einfach aus der Wut heraus das Teuerste zu nehmen, um dem Schädiger “eines reinzuwürgen”.