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141/17 Turin: Schwere Vorwürfe gegen Verantwortliche

141/17 Turin: Schwere Vorwürfe gegen Verantwortliche

by 6. Juni 2017

Nach dem Vorfall beim Public Viewing am Samstag in Turin (Italien) mit 1.527 Verletzten (siehe hier) gibt es schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Die Ursache des panikartigen Tumults ist offenbar noch nicht geklärt, aber es treten immer mehr Details zu Tage.

Augenzeugen berichteten, dass es zu wenige Fluchtwege gegeben habe und diese kaum abgesichert gewesen seien. Die Stadtpolizei habe tatenlos zugesehen, wie illegale Straßenverkäufer massenhaft Bierflaschen verkauft hätten – obwohl dies eigentlich aus Sicherheitsgründen verboten war: Tatsächlich hatte es bei dem Tumult viele Verletzungen durch Glasscherben gegeben.  Zudem wurde bekannt, dass offenbar 100 polizeibekannte Hooligans auf dem Gelände waren, die sogar ein Stadionverbot hatten. Die Hooligans konnten vermutlich durch eine unter dem Platz befindliche Tiefgarage auf das Gelände gelangen. Diese Zugänge waren anscheinend nicht kontrolliert worden, weil man sie im Sicherheitskonzept übersehen hatte. Auch die Bierflaschenverkäufer gelangten so offenbar auf das Gelände.

Die Stadt wehrt sich: Man habe das Sicherheitskonzept vom Champions League-Finale 2015 angewendet, das seinerzeit gut funktioniert habe. Die Polizei wiederum kontert: Der Kontext habe sich zwischenzeitlich verändert, man lebe heute in einem „Klima der Sorge“, weshalb die Anforderungen u.a. darin bestünde, auch panikartige Situationen in den Griff zu bekommen.

Italiens Innenminister Minniti will angesichts der hohen Zahl von Verletzten künftig vor allem bei Eingangskontrollen und der Überwachung des Geländes und der Fluchtwege „einen Gang höher schalten“. Damit solle nicht nur die objektive Sicherheit gesteigert werden, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Besucher.

Es liegt am Menschen

Wie so oft: Es liegt am Menschen. Wenn eine Tiefgarage übersehen wird und damit die Möglichkeit, für Krawallmacher oder auch Attentäter problemlos Zugang zur Veranstaltung zu finden, dann ist das leider menschlich. Das „perfekte“ Sicherheitskonzept hängt von der Perfektion der Verantwortlichen ab: Derjenige, der das Sicherheitskonzept erstellt, diejenigen, die daran beteiligt sind und diejenigen, die die einzelnen Maßnahmen umsetzen sollen.

Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung wird es nicht auszuschließen sein, dass ein Sicherheitskonzept künftig von einem Computer erstellt wird – aber auch der muss programmiert werden von einem Menschen, solange er nicht selbst lernen und denken kann.

Es gibt (in Deutschland) eine Vielzahl von Vorschriften – die hatte es übrigens auch schon vor dem Unglück auf der Loveparade 2010 gegeben. Es haben sich allerdings nur sehr wenige dafür interessiert…

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Polizeigitter: © Tom-Hanisch - Fotolia.com