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137/16 Reiseveranstalter haftet nicht grundsätzlich für Epidemie

137/16 Reiseveranstalter haftet nicht grundsätzlich für Epidemie

Von Thomas Waetke 14. April 2016

Ein Ehepaar war für eine Woche über einen deutschen Reiseveranstalter nach Rhodes geflogen und dort in einem Hotel untergebracht. Schon ab der ersten Nacht lagen aber beide mit erbrechen und Durchfall im Bett. Das Ehepaar machte den Reiseveranstalter für eine Virusepidemie verantwortlich, da im Hotel bereits seit ca. zwei Wochen vor ihrer Ankunft das Noro-Rota-Virus grassierte. Im Verhältnis zur Gästezahl waren 8,75% der Gäste erkrankt. Das Ehepaar forderte den Reisepreis zurück.

Das Amtsgericht München wies die Klage nun ab: Das Ehepaar habe nicht beweisen können, dass es sich im Hotel angesteckt habe. Es bestehe eine Vielzahl von Ansteckungsmöglichkeiten, zum Beispiel beim Kontakt mit anderen Personen auf der Reise oder aufgrund von verunreinigtem Meerwasser am Strand. Eine Infektion stelle sich insoweit als Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos dar, so das Gericht.

Nur dann, wenn 10% der Hotelgäste erkrankt wären, könne von einer Verantwortlichkeit des Reiseveranstalters ausgegangen werden.

Besonderheiten im Reiserecht

Das Reiserecht (ab § 651a BGB) hat die Besonderheit, dass der Reisende (mindestens) einen Ansprechpartner hat, nämlich seinen Reiseveranstalter. Damit muss der Reisende im Schadensfall nicht im Land des Hotels klagen, sondern kann im Land seines Reiseveranstalters klagen (wie hier in Deutschland, nach deutschem Recht).

Der Reiseveranstalter ist für ein Fehlverhalten des Hotels ebenso verantwortlich wie für Fehlverhalten anderer Dienstleister, die Reisebestandteile erbringen (z.B. Beförderer, Ausflüge usw.), es handelt sich um sog. Erfüllungsgehilfen (§ 278 BGB). Das Reiserecht birgt eine Reihe von Vorteilen für den Reisenden, den das Gesetz in Schutz nehmen möchte: Man denke dabei bspw. an den Insolvenzsicherungsschein (§ 651k BGB): Hier soll der Reisende gegen eine Insolvenz seines Reiseveranstalters abgesichert werden. Es kam früher vor, dass der Reisende im Ausland festsaß, weil die Fluggesellschaft sich geweigert hatte, ihn zurück zu fliegen: Der Reiseveranstalter hatte zwar das Geld vom Reisenden bekommen, aber nicht an die Fluggesellschaft bezahlt, so dass diese (da sie ja nicht Vertragspartner des Reisenden war) sich auch zu Recht weigern durfte.

Eine Reise allerdings liegt nur vor, wenn der Reisende mehrere Reisebestandteile in Einem bucht: Fahrt, Unterkunft usw. Außerdem muss es sich um eine Urlaubsreise handeln.

Wer also individuell sein Hotel vor Ort selbst bucht, und auch die Anreise getrennt bucht, muss im Schadensfall den Hotelbetreiber vor Ort in Anspruch nehmen.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Mann zieht Koffer zu Flugzeug: © Gerhard Seybert - Fotolia.com